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Die spannendsten Rennstrecken Deutschlands

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Der Nürburgring ist die bekannteste und älteste Rennstrecke Deutschlands

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Rasant geht es zu, teilweise gefährlich, aber immer haarsträubend spannend: Die großen deutschen Rennstrecken bieten Action pur, Motorsport auf internationalem Niveau. Oft besteht nicht nur die Möglichkeit, sich die Rennen der Profis anzusehen und dabei mitzufiebern, sondern die Parcours’ werden auch regelmäßig für Laien freigegeben, um das Fahrgefühl am eigenen Leib zu erleben. Ein Blick auf die bekanntesten Strecken unseres Landes.

Der Nürburgring – die “grüne Hölle” in der Eifel

Der Nürburgring ist mit Sicherheit die bekannteste unter den deutschen Motorsportstrecken. Selbst wer von Autorennen nicht viel hält, hat wenigstens diesen Namen gehört und kann ihn normalerweise auch passend einordnen. Der Parcours besteht mittlerweile seit fast 100 Jahren, die Einweihung erfolgte 1927. Er befindet sich in der Eifel im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler, nahe des gleichnamigen Ortes Nürburg und der zugehörigen Burg. Ursprünglich maß die Strecke ungefähr 28 Kilometer und galt als enorm vielseitige “Gebirgs- und Renn- und Prüfstrecke”. Diese Urform bleib bis 1982 aktiv, danach kam es zu teils gravierenden Änderungen, die vor allem für mehr Sicherheit sorgten. Der Nürburgring ist und bleibt jedoch bis heute der längste permanent genutzte Rennparcours der Welt.

Die 22,8 Kilometer lange Nordschleife hat weltweit einen besonderen Bekanntheitsgrad erlangt. Ihr Spitzname “grüne Hölle” kam nicht von ungefähr, denn sie ist enorm schwierig zu befahren. Bis 1976 geschahen hier regelmäßig schwere Unfälle, danach gab es einen harten Stopp, der in eine deutliche Entschärfung mündete. Die heutige Nordschleife ist stark verkürzt und verfügt über eine eigene kleine Boxenanlage. Als Grand-Prix-Strecke gilt sie heute nicht mehr, diese liegt nebenan. Der Nürburgring wird immer noch für die größten und prestigeträchtigsten Rennen der Welt genutzt: Die faszinierende Ausstrahlung dieser historischen Anlage und ihr legendärer Ruf sichert ihr einen Ewigkeitsplatz im internationalen Rennplan: Hier zu siegen, hat für jeden Fahrer eine ganz besondere Bedeutung. Kaum verwunderlich scheint es, dass sich bei Motorsport Wetten die Gewinnerliste des Nürburgrings meist stark von der Gesamtsiegprognose unterscheidet. Auf diesem Parcours sind nun einmal ganz eigene Fähigkeiten und intensives “Fußspitzengefühl” gefragt.

Der Sachsenring – Geschwindigkeitsrausch im Osten

Auch der Sachsenring blickt auf eine beinahe 100-jährige Geschichte zurück. Die ersten Rennen auf diesem heißen Pflaster im Osten fanden, genau wie beim Nürburgring im Jahr 1927 vor mehr als 140.000 begeisterten Zuschauern statt. Ende der 20er-Jahre kam das Rennsportfieber über das Land, die Motorentechnik schritt enorm voran und brachte einen wahren Geschwindigkeitsrausch mit sich. Der sächsische Parcours liegt in Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal, auch er hat sich seit seinen ersten Tagen stark verändert. Damals handelte es sich um einen 8,71 Kilometer langen reinen Straßenkurs, der heute nicht mehr aktiv ist. Auch hier gab es einige Unfälle, zudem protestierten die Bürger lautstark gegen die Fremdnutzung ihrer Verkehrsadern. Erst 1937 erhielt der Parcours seinen heutigen Namen, danach folgte eine lange Rennsportpause bis 1949.

Im Jahr 1950 strömten 400.000 Motorsportfreunde aus allen Himmelsrichtungen herbei, um die gesamtdeutsche Motorradmeisterschaft live zu erleben. Zehn Jahre später folgte mit der Straßen-Radweltmeisterschaft ein weiteres internationales Highlight. Zwischen 1961 und 1972 fanden auf dem Sachsenring regelmäßig Rennen der Motorrad-Weltmeisterschaft statt, danach galten die Sicherheitsvorkehrungen als veraltet und die DDR sah eine Renovierung als zu teuer an. Der Staat beschränkte sich schließlich auf nationale und osteuropäische Meisterschaften, das Publikum ging jedoch nach wie vor in die Hunderttausende. 1990 stand das Ende der DDR ins Haus – und damit auch eine lange Pause für den in die Jahre gekommenen Sachsenring. 1996 fiel der Startschuss zum Comeback, 1998 kehrte die Motorrad-WM zurück und auch das ADAC GT Masters fand hier seine feste Heimat. Eine Erfolgsgeschichte mit Dellen also, die bis jetzt einen glücklichen Ausgang fand.

Der Lausitzring – EurSpeedway in Brandenburg

Der Lausitzring hat auch schon zwei Jahrzehnte Geschichte angesammelt, ist aber längst nicht so alt wie die beiden vorgenannten Konkurrenten. Der Parcours sollte ursprünglich schon ab Ende der 80er-Jahre den AVUS ersetzen, doch der Mauerfall brachte den Bau auf dem alten Braunkohlegelände zum Stocken. 1999 kam der Rennbetrieb auf dem AVUS endgültig zum Erliegen, ein Jahr später erfolgte die feierliche Öffnung des EuroSpeedway Lausitz. Gleich zum Start im Jahr 2000 avancierte die Anlage zum Grand-Prix-Kurs, außerdem wurde sie direkt als Speedway und als Teststrecke genutzt. Der Parcours befindet sich in Brandburg, in der südlichen Niederlausitz bei Klettwitz. Die Rennstrecke misst 4,534 Kilometer, verfügt über 14 Kurven und bietet auf seinen Tribünen Platz für 120.000 Zuschauer.

 

Die spannendsten Rennstrecken Deutschlands 9

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Auch der Lausitzring hat bereits zwei Jahrzehnte Geschichte hinter sich

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An diesen Zahlen wird sofort deutlich: Die Maßstäbe der historischen Rennstrecken aus den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts gelten bei diesem modernen Parcours nicht. Er ist deutlich kürzer und pirscht sich nicht annähernd an die alten Publikumsmarken heran, die an der Halbmillion-Marke kratzten. Allerdings übertragen die Fernsehsender heutzutage jedes größere Rennen live, sodass sich die Zuschauer gar nicht mehr unbedingt hierherbemühen müssen. Viele Fans genießen ihre Motorsport-Action nun zwischen Mittag- und Abendessen vom heimischen Sofa aus, damit sparen sie sich die lange Anreise. Die Tribünen sind und bleiben bei den prominenten Rennsportturnieren trotzdem voll, wenn nicht gerade Corona dazwischenkommt. Allein zur Eröffnung fanden sich 110.000 Menschen ein und sogar zur kleinen Zweckentfremdung beim Abschiedsfestival der Böhsen Onkelz 2005 waren 120.000 Zuschauer zugegen.

Der Hockenheimring – der heiße Waldparcours

Nun zurück in den Westen Deutschlands, nach Baden-Württemberg in die Stadt Hockenheim. Wir befinden uns südlich von Mannheim im sogenannten Schwetzinger Hardt, einem Waldgebiet im Rhein-Neckar-Kreis. Hier entstand 1932 innerhalb von nur drei Monaten der 12 Kilometer lange, dreieckig geformte Hockenheimring. Er diente hauptsächlich als Teststrecke der Firma Mercedes-Benz, die ihren Wagen auch auf unbefestigten Waldwegen prüfen wollten. Recht früh starteten aber auch die ersten Rennen auf dem Parcours, nachdem die alte Karlsruher Wildpark-Strecke behördlich gesperrt worden war. Gleich das erste Motorradrennen zog 60.000 Freunde des rasanten Zweiradsports an. Damals war die Strecke gerade mal 4,50 Meter schmal und verfügte über keine Teerdecke.

1938 begannen die Modernisierungsarbeiten, die zur Verbreiterung auf 7,0 bis 9,0 Meter diente und nebenbei auch die bis dato staubige Oberfläche ins Visier nahm. Ein Makadam-Belag sorgte für deutlich besseren Grip und hob die Sicherheit auf ein neues Level. Die Neueröffnung erfolgte durch eine Meisterschaft der Sportwagen und Motorräder, doch direkt danach senkte sich tiefes Schweigen über den Asphalt. Erst nach dem Krieg fiel ein erneuter Startschuss für die heißen Reifen. Funfact am Rande: Bis 1963 fuhren die sportlichen Flitzer auf diesem Parcours gegen den Uhrzeigersinn, danach kehrte sich die Runde um. Die Königsklasse hielt 1970 Einzug auf dem Hockenheimring, aber eher unplanmäßig: Die Formel-1-Fahrer hatten sich zu einem Boykott der grünen Hölle des Nürburgrings entschlossen und wichen nach Baden-Württemberg aus. 2002 führten die Betreiber eine deutliche Kürzung der Ex-High-Speed-Strecke durch, die in den Jahren davor schon durch mehrere Schikanen entschärft worden war. Nebenbei erhielten die Zuschauertribünen ein Upgrade von knapp über 80.000 auf nunmehr 120.000 Plätze. Noch mehr Möglichkeiten, live vor Ort große Siege zu erleben!

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Motorsports: DTM race Hockenheimring, Saison 2018 – 1. Event Hockenheimring, GER

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Der Hockenheimring beim DTM-Rennen in 2018

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Die Motorsportarena Oschersleben – jung und flexibel

Auch die Motorsportarena Oschersleben ist an dieser Stelle eine Erwähnung wert. Sie befindet sich in der gleichnamigen Stadt nahe Magdeburg, und das seit 1997. Nach dem Nürburgring und dem Hockenheimring avancierte diese Arena somit zur dritten dauerhaft genutzten Test- und Rennstrecke unseres Landes. Erst danach gesellten sich der Lausitzring und der Sachsenring zu dieser elitären Truppe. Der Parcours erstreckt sich über kurze 3,696 Kilometer und ist mit Kurven gespickt. Die verkürzte Version misst 2,435 Kilometer, sie steht nur bei wenigen Events zur Verfügung, zum Beispiel bei der eco-GP. Zwei Sidekicks sorgen für noch mehr Fahrvergnügen: die etwas über einen Kilometer lange Kartbahn und die seit 2003 bestehende Offroad-Rennstrecke.

Die Motorsportarena präsentiert sich seit jeher flexibel und offen: Die Betreiber gestalteten die Anlage von Beginn an multifunktional mit einem frei zugänglichen Fahrerlager. Dem Motorsport gesellen sich beispielsweise zahlreiche Open-Air-Konzerte hinzu, auch an Übernachtungsmöglichkeiten mangelt es nicht. 100 Hotelzimmer stehen direkt vor Ort bereit, ebenso wie ein Restaurant mit Blick auf den Parcours und ein Fitnessbereich. Die Höhepunkte der Motorsportsaison bilden die DTM, das ADAC Masters Weekend, die Superbike-WM und die German Speedweek. Auf der Kartbahn finden das Supermoto IDM und das ADAC Kart Masters statt: viele prominente Rennen also, die diesen Parcours ins rechte Licht rücken.

Jede dieser fünf Motorsportanlagen hat ihre eigene Geschichte und stellt ganz individuelle Anforderungen an die Fahrer. Innerhalb von nicht einmal 100 Jahren hat sich in Deutschland mit ihnen ein professioneller Rennzirkus etabliert, der mehrere Generationen vor Spannung von den Stühlen riss. Die Betreiber der Rennstrecken sorgen für regelmäßige Modernisierungen, sodass wir von vielen weiteren Jahrzehnten prall gefüllt mit spannenden Motorsport-Events ausgehen können.

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