Besondere Zahlen bestimmen den gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt Zwickau und der Stadtwerke Zwickau Holding GmbH in diesem Jahr: Zum 20. Mal treffen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beim ersten offiziellen Großereignis des Jahres aufeinander. Im Mittelpunkt steht der Dialog.

Der städtische Jahresauftakt findet im Jahr 2017, also am Ende der Lutherdekade, ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums statt. Zwickau gilt als zweite Stadt nach Wittenberg, in der sich die Reformation vollständig durchsetzte. Diesen Fakt wird die Automobil- und Robert-Schumann-Stadt beginnend mit ihrem Neujahrsempfang mit vielgestaltigen Veranstaltungsofferten feiern.

Reichlich 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden am Donnerstagnachmittag im Konzert- und Ballhaus “Neue Welt” in der Leipziger Straße 182 erwartet. Mit besonderer Freude kann die Zwickauer Oberbürgermeisterin in diesem Jahr ihren Amtskollegen aus der Partnerstadt Dortmund begrüßen, denn der langjährige Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat sein Kommen zugesagt. In der ersten Reihe der Ehrenbürger sitzen Alt-OB Rainer Eichhorn, Jürgen Croy und Erwin Killat. In den Reihen der Ehrengäste nehmen die Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann und Carsten Körber, zahlreiche Mitglieder des Landtages, sowie Medaillenträger aus den Vorjahren Platz.

Garantiert für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff sorgen neun Schauobjekte, die im Mittelgang zwischen Foyer und Saal aufgestellt werden. Es sind die beschrifteten Bänke, welche die Zwickauer “Sternendekorateure” aus Anlass des 5. Jahrestages der Explosion des Hauses in der Frühlingsstraße am Schumannplatz als Denkmale für die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) aufbauten. Dies geschah am 5. November und sollte ein Zeichen setzen gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit, für Toleranz und Demokratie. Doch schon in den Folgetagen wurden sie beschädigt, zwei Bänke wurden gestohlen.

Mit einer Schweigeminute gedenken die Gäste des Neujahrsempfangs dem am 1. Januar 2017 nach langer und schwerer Krankheit verstorbenen Dr. Kurt Rudolph. Zwei Jahre zuvor, am 8. Januar 2015, war er für seine herausragenden Verdienste um die Stadt Zwickau mit der Martin-Römer-Ehrenmedaille ausgezeichnet worden. Als Sprecher der evangelischen Kirche kam er im Herbst 1989 an den Runden Tisch von Zwickau. Eine Bürgerinitiative brachte ihn als unabhängigen Kandidaten auf die Liste für die ersten Kommunalwahlen. 1990 zog Dr. Kurt Rudolph als Bürgermeister in das Rathaus ein. Er war seit der Gründung am 16. November 1990 bis zu seinem Ausscheiden am 30. April 2002 zunächst neben- dann hauptamtlich als Geschäftsführer der Städtischen Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft Zwickau mbH und Stadtwerke Zwickau Holding GmbH tätig. In dieser Zeit leistete er Pionierarbeit. Kurt Rudolph war maßgeblicher Impulsgeber und Initiator des ersten Zwickauer Neujahrsempfang im Januar 1998.

Die Einladungskarte für den Neujahrsempfang 2017 zeigt eine Ansicht der mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichneten Katharinenkirche und das Logo “Luther 2017”.

In ihrer Neujahrsansprache blickt die Zwickauer Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß unter anderem auf die Reformation, auf das Werk Luthers und schlägt – gerade auch mit Blick auf all die Ereignisse, welche die Menschen in Zwickau, im Land und in der Welt erschütterten, aufwühlten und befremdeten ‑ mit einer Erkenntnis den Bogen ins Jahr 2017: “Es geht um allgemeine Werte: um Freiheit und Solidarität, um Mitmenschlichkeit und ein soziales Miteinander, um Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein”. Von Menschen, die diese Werte verinnerlicht haben und leben, sieht die Rednerin viele im Saal der “Neuen Welt” versammelt: Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren, Zwickauer Unternehmer, Kirchenvertreter, engagierte Politiker, Ehrenamtliche von Vereinen und Verbänden, engagierte Jugendvertreter, die sich in ihrer Stadt einbringen und fantasievoll zeigen, dass Zwickau Herz hat.

Von Optimismus geprägt ist die Neujahrsrede der Zwickauer Oberbürgermeisterin. Gründe dafür gibt es reichlich. So habe sich die Situation mit Blick auf den Zustrom von Flüchtlingen und Asylbewerbern entspannt, so dass zumindest die Unterbringung der Menschen “nicht mehr die herausfordernde Aufgabe darstellt, die sie vor Jahresfrist noch war.” Dennoch: “Dass uns die Integration der Menschen und die Ursachen von Flucht und Vertreibung nach wie vor bewegen und bewegen müssen, steht außer Zweifel.”

Besser als befürchtet habe sich die Haushaltssituation entwickelt. Dies geschah, so die Oberbürgermeisterin, “dank der Finanzpolitik von Stadtverwaltung und Stadtrat, dank der Fördermittel von Bund und Land und dank weiterer Einflussfaktoren.”

Rund 1900 steuerzahlende Unternehmer und Unternehmen tragen zur Entwicklung der Stadt Zwickau bei. Viele von ihnen feierten 2016 ihr Firmenjubiläum, haben sich 25 Jahre und mehr am Standort Zwickau behauptet, weiterentwickelt und von hier aus erfolgreich agiert. Zudem gab es Neugründungen, die sich als Botschafter des Wirtschaftsstandortes Zwickau einen Namen machen.

Mit Freude und Dankbarkeit blickt die Oberbürgermeisterin auf ein Jahr zurück, das mit wichtigen Investitionen, unternehmerischen Erfolgen und mit der Tatsache verbunden ist, dass die Stadt ihren Ruf als soziale Stadt festigen konnte.

In dieser Kontinuität wird es weitergehen. Das unterstreichen Vorhaben wie der Bau eines neuen Hortes in Oberhohndorf, die Errichtung einer Zweifeldhalle für das Clara-Wieck-Gymnasium, die Sanierung des Gewandhauses. Auf der Agenda stehen zudem der Neubau der Sprachheilschule, die Etablierung eines Ballportzentrums in Neuplanitz oder auch die Arbeit am Strategiepapier “Handlungskonzept Wirtschaft 2025”.

Die Vorbereitungen zu Großveranstaltungen werden die Zwickauer schon im laufenden Jahr beschäftigen. 2018 steht ihnen ein unvergessliches Festjahr bevor, das mit der Nacht der Nächte beginnt und bis in den Dezember zelebriert wird: Die Stadt feiert ihren 900. Geburtstag.

Auch danach geht es weiter: Dankbar ist das Stadtoberhaupt dem Freistaat, dass die Landesausstellung Industriekultur 2020 in Zwickau sein wird, direkt neben dem August Horch Museum, dass 2017 seinen Erweiterungsbau eröffnet. Mit vielen tollen Veranstaltungen wird ‑ beginnend mit einen Festkonzert am 13. Januar ‑ eine Einrichtung ihren 70. Geburtstag feiern, mit der sich viele Menschen aller Altersklassen stark verbunden fühlen: das Robert Schumann Konservatorium.

Für den musikalischen Teil ist das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau zuständig. Zu Beginn und gleich vor der Begrüßung durch die Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Zwickau, Bürgermeisterin Kathrin Köhler, erklingt Ludwig van Beethovens Ouvertüre zur Schauspielmusik “Egmont” unter Leitung von GMD Lutz de Veer. Später folgt Felix Mendelssohn Bartholdy, der 4. Satz Choral “Ein feste Burg ist unser Gott” aus Sinfonie Nr. 5 op. 107, “Reformations-Sinfonie”.

Der Direktor des Robert-Schumann-Hauses Dr. Thomas Synofzik bringt im Veranstaltungsverlauf Johann Sebastian Bach zu Gehör: Nun freut euch (Martin Luther) BWV 734 (arr. Feruccio Busoni). Der Tradition aller bisherigen Neujahrsempfänge folgend geht der offizielle Teil des 20. Zwickauer Neujahrsempfanges mit dem “Steigermarsch” zu Ende.

NEUJAHRSANSPRACHE der Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau  Dr. Pia Findeiß

  1. Januar 2017

Glück und Freude sowie Trauer und Schmerz liegen manchmal näher beieinander als wir ahnen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

erst vor zwei Jahren zeichnete ich hier an dieser Stelle Dr. Kurt Rudolph mit der Martin Römer-Ehrenmedaille aus. Gewürdigt wurde ein Mann, der zu Zeiten der politischen Wende am “Runden Tisch” mitarbeitete, der von 1990 an als Bürgermeister Aufbauarbeit in der Stadt und der Verwaltung leistete, der als Geschäftsführer der Stadtwerke Zwickau Holding die Geschicke der kommunalen Unternehmen maßgeblich beförderte und der auch einer der Väter dieses Neujahrsempfanges ist.

Dr. Kurt Rudolph ist am Neujahrstag im Alter von 79 Jahren verstorben.

Ich bitte Sie, sich von Ihren Sitzen zu erheben, um seiner in Stille zu gedenken.

Liebe Gäste,

wie sagte Martin Luther: “Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!”

Ich bemühe mich.

. und halte kurz und bündig fest: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Als ich im vergangenen Jahr zu Ihnen sprach, nannte ich Ihnen vor allem zwei Themen, mit denen wir uns im damals bevorstehenden Jahr 2016 auseinandersetzen müssten: Den Zustrom von Flüchtlingen einerseits und die angespannte Haushaltssituation andererseits. Sie wissen, dass sich der Zuzug von Flüchtlingen verringerte und die Unterbringung der Menschen nicht mehr die herausfordernde Aufgabe darstellt, die sie vor Jahresfrist noch war. Dass uns die Integration der Menschen und die Ursachen von Flucht und Vertreibung nach wie vor bewegen und bewegen müssen, steht außer Zweifel.

Auch die Haushaltssituation entwickelte sich besser als befürchtet. Dank der Finanzpolitik von Stadtverwaltung und Stadtrat, dank der Fördermittel von Bund und Land und dank weiterer Einflussfaktoren konnten und können wir uns in Zwickau eine ganze Menge leisten. Dazu tragen nicht zuletzt die Firmen bei.

Ca. 1.900 Unternehmer und Unternehmen zahlen Gewerbesteuer und tragen damit zur Entwicklung unserer Stadt bei! Wir können daher auf ein Jahr zurückblicken, in dem wichtige Investitionen getätigt wurden. Die Sanierung der Grundschule am Scheffelberg wurde ebenso abgeschlossen wie der Bau des neuen Hortes in der Amalienstraße. Die Kita Crossen konnte rundum erneuert werden, in Marienthal wurde den Jugendlichen eine neue Dirtbike-Anlage übergeben und in Neuplanitz ein neues Spielfeld. Altenburger und Brunnenstraße, Thomas-Müntzer-Straße und Spechtweg, Nordplatz und Sternenstraße belegen exemplarisch, dass wir beim Straßenbau ein gutes Stück vorangekommen sind.

Ein Höhepunkt war und ist das neue Stadion. Ein Oberzentrum wie Zwickau braucht eine solche Sportstätte! Ich bin zuversichtlich, dass unser FSV finanziell und sportlich den Klassenerhalt schafft ‑ genauso wie die Handballdamen des BSV, die Rollis, die Wasserballer, die Basketballer oder die Kegler!

Zu den öffentlichen kommen private Investitionen: Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass im ehemaligen Erlenbad mit dem Ubineum ein Kompetenzzentrum für Wohnen und Leben entsteht oder dass am Neumarkt ‑ durch die ZWG ‑ ein Neubau errichtet wird? Das HBK wird im kommenden Jahr die ehemalige Puschkinschule abreißen, um ein modernes Ärztehaus zu errichten.

Erfreulich ist, dass Zwickau eine soziale Stadt blieb. Die kostenlose Schülerbeförderung, das kostenfreie Mittagessen für Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder die Schulsozialarbeit an allen Grund- und Oberschulen belegen dies nicht nur exemplarisch, sondern eindrucksvoll.

Wir blicken auch auf ein Jahr zurück, das auch von unternehmerischen Erfolgen gekennzeichnet war. Als Erfolg sehe ich es an, wenn Firmen über Jahre hinweg im Markt bestehen und sich weiterentwickeln. 25 Jahre Siebenwurst, 25 Jahre GUB, 25 Jahre Tenneco, 25 Jahre WESOMA, 25 Jahre ZEV, 25 Jahre Gelenkwellenwerk, 25 Jahre Schnellecke in Sachsen, 90 Jahre Autohaus Teicher oder 110 Jahre Buchbinderei Weith zeigen dies.

Dass am Wirtschaftsstandort Zwickau alles andere als Stillstand herrscht, belegen die neue Warmumformanlage von Tower, der Hallenbau bei Tenneco, die Einweihung der Planstraße Süd im Gewerbe- und Industriegebiet an der Reichenbacher Straße oder die Eröffnung des Fraunhofer Anwendungszentrums für Optische Messtechnik und Oberflächentechnologien.

In Dankbarkeit und mit Anerkennung nahmen wir zum Jahresende zur Kenntnis, dass Volkswagen Sachsen 2016 und 2017 an der Kapazitätsgrenze arbeitet und künftig eines der ersten völlig neuen E-Fahrzeuge bauen wird. Ein deutlicher Beleg für den Einsatz und die Kompetenz des sächsischen Volkswagen-Teams.

Zu einem Botschafter für Zwickau hat sich das Start Up Pendix mit seinem Elektroantrieb für Fahrräder entwickelt. Das junge Unternehmen, das ich selbst im Rahmen meiner fast 50 Unternehmensbesuche im vergangenen Jahr kennenlernte, fand und findet sich national in der Presse wieder.

Wir können auf ein Jahr zurückblicken, in dem sich Menschen auf den Weg machten, um ihre Stadt mitzugestalten.

Mit dem Späti bewiesen junge Leute, dass sie selbst einen Beitrag leisten, um unsere Stadt aufzuwerten. Ausgesprochen dankbar bin ich den “Sternendekorateuren”, dass sie Stellung bezogen, gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz und Demokratie und dass sie der Opfer des NSU fünf Jahre nach dessen Auffliegen gedachten. Die Bänke im Zwischenfoyer, die einst am Schumannplatz standen und geschändet wurden, haben unsere Aufmerksamkeit verdient.

Ich freue mich, dass sich Jugendliche mit Unterstützung der Verwaltung und des Stadtrates auf den Weg machen, um in Zwickau eine Jugendvertretung zu institutionalisieren.

Dieses “Mitmachen-Wollen” zeigte sich aber auch bei den Wettbewerben zur Aufwertung des Stadtbildes oder in dem Engagement von Architekten und Planern für “Zwickau 2050”. Dem Stadtrat bin ich dankbar, dass auch der Bürgerhaushalt künftig wieder eine Rolle spielen soll.

Dankbar bin ich den Initiatoren von “ZWICKAU ZEIGT HERZ”. Sie sorgten dafür, dass sowohl im Frühjahr als auch im Advent die Botschaft ausgesendet wurde, dass Zwickau eine aufgeschlossene, weltoffene Stadt ist.

Wir können außerdem auf ein Jahr zurückblicken, in dem wichtige Weichenstellungen für die Zukunft erfolgten, etwa mit dem vom Stadtrat beschlossenen Haushalt 2017 und der darin enthaltenen mittelfristigen Finanzplanung.

Allein der Arbeitsplan des Tiefbauamtes umfasst mehr als 20 Straßenbaumaßnahmen. In der Bahnhofsstraße entsteht ein neuer Spielplatz, der im Schlobigpark soll Zuwachs erhalten. Neben unterschiedlichen Sanierungsmaßnahmen in Kitas wollen wir in Oberhohndorf einen neuen Hort bauen, eine Zweifeldhalle für das Clara-Wieck-Gymnasium errichten und bis 2018 die Fucikschule komplett erneuern.

Apropos Schulen: Auch die Eigenmittel für den Neubau unserer Sprachheilschule sind im Haushaltsplan verankert. Es wäre schön, liebe Landtagsabgeordnete, wenn wir für diese wichtige Maßnahme auch die erforderlichen Fördermittel erhalten würden.

Und nicht zu vergessen: Die Sanierung des Gewandhauses hat begonnen und die Etablierung eines Ballsportzentrums in Neuplanitz steht auf der Agenda.

Im Bereich der Wirtschaftsförderung erfolgten zwei grundlegende Entscheidungen:

Zum einen die Anstellung einer Stadtmanagerin. Mit ihr hat die Innenstadt nun eine eigene “Kümmererin”. Zum anderen begann die Arbeit am “Handlungskonzept Wirtschaft Zwickau 2025”. Im ersten Quartal wollen wir dieses Strategiepapier in den Stadtrat einbringen, um uns gemeinsam darauf zu verständigen, welche Hauptaufgaben die städtische Wirtschaftsförderung hat, welche Ziele wir verfolgen, aber auch um die Entscheidung zu treffen, welche personellen und finanziellen Ressourcen erforderlich sind. Im Jahr 2017 wird sowohl wieder ein Wirtschaftsforum im Rathaus stattfinden als auch der Wirtschaftsball hier in unserer guten Stube, wo eine gute Atmosphäre für das Knüpfen von Netzwerken vorhanden ist.

Grundlegende Entscheidungen wurden auch für zwei “Großveranstaltungen” getroffen: Wir bereiten uns bereits intensiv auf unsere 900-Jahrfeier vor. Fest steht schon jetzt, dass uns 2018 tatsächlich ein Festjahr bevorsteht, in dem Veranstaltungen vom 1. Januar bis in den Dezember hinein stattfinden. Dankbar bin ich dem Freistaat, dass die Landesausstellung Industriekultur 2020 in unserer Stadt sein wird, direkt neben dem August Horch Museum, das 2017 den Erweiterungsbau ‑ endlich ‑ eröffnen wird.

Apropos 2017: Von den vielen Veranstaltungshöhepunkten möchte ich Sie nur auf einen hinweisen. Unser Konservatorium mit den inzwischen über 2.000 Schülern im Alter von sechs Monaten bis 80 Jahre feiert seinen 70. Geburtstag!

Meine Damen und Herren,

leider blicken wir auch auf ein Jahr zurück, dass uns an vielen Tagen Angst und Sorge brachte, in dem Hass, Intoleranz und Unmenschlichkeit an der Tagesordnung zu sein schienen. Wir müssen leider auch in unserer Heimat, in unserer Bundesrepublik erleben, wie Extremismus Hass schürt und Hass zu Gewalt führt.

Die gemeinen Anschläge in Nizza und Berlin haben uns erschüttert und betroffen. Die Kriegs- und Bürgerkriegsschauplätze in allen Teilen der Welt führen uns vor Augen, wie wichtig Frieden für unser Miteinander ist. Wir mussten in Zwickau mitansehen, dass ‑ wieder ‑ rechte und rechtsextreme Personen und Gruppen durch die Straßen ziehen, dass der Dialog mit und unter Bürgern gezielt gestört wurde, dass es in Stadtratssitzungen zu Ausschreitungen kam oder das Persönlichkeiten wie Dr. Böttger oder Alt-OB und Ehrenbürger Rainer Eichhorn verunglimpft wurden. Manche Gruppierungen haben “Oberwasser” bekommen. Sie versuchen, den Spielraum unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu nutzen, um der Demokratie zu schaden.

Meine Damen und Herren,

was sollen wir tun?

Blicken wir auf die Reformation und das Werk Luthers.

Ich will mir keine Einschätzung anmaßen. Diese Wertung überlasse ich demjenigen, der mit, vielleicht auch nach, ggf. vor Martin Luther als zweiter berühmter Deutscher gilt: Johann Wolfgang Goethe.

Johann Peter Eckermann zeichnete ein Gespräch mit dem Dichterfürsten auf, in dem dieser elf Tage vor seinem Tod, am 11. März 1832, konstatiert:

“Wir wissen gar nicht, was wir Luthern und der Reformation <.> alles zu danken haben. Wir sind frei geworden von den Fesseln geistiger Borniertheit, wir sind infolge unserer fortwachsenden Kultur fähig geworden, zur Quelle zurückzukehren und das Christentum in seiner Reinheit zu fassen. Wir haben wieder den Mut, mit festen Füßen auf Gottes Erde zu stehen und uns in unserer gottbegabten Menschennatur zu fühlen.”

Freiheit von den Fesseln geistiger Borniertheit? Den Mut, unsere Menschennatur, unsere Menschlichkeit zu fühlen? Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen?

Wenn das eine der Quintessenzen des Lutherschen Wirkens und der Reformation ist, lohnt es sich dann nicht, diese Reformation auf diese Art fortzuführen?

Wobei Luther “Freiheit” nicht nur als “Freiheit von etwas” verstanden haben dürfte. Ich entnehme – ohne Theologin zu sein -dem 1520 verfassten und dem Zwickauer Bürgermeister Hermann Mühlpfort gewidmeten Traktat “Von der Freiheit eines Christenmenschen” vielmehr, dass für Martin Luther Freiheit immer auch die “Freiheit zu” bedeutet. Ihm kommt es auf die Motive und die guten Werke an.

“Drum sind die zwei Sprüche wahr: «Gute, fromme Werke machen nimmermehr einen guten, frommen Mann, sondern ein guter, frommer Mann macht gute, fromme Werke»; «Böse Werke machen nimmermehr einen bösen Mann, sondern ein böser Mann macht böse Werke»”.

Und in der 29. These seiner berühmten Schrift heißt es: “Willst du etwas stiften, beten, fasten, so tu es nicht in der Meinung, du wollest dir etwas Gutes tun, sondern gib es frei weg, dass andere Leute davon Nutzen haben und tu es ihnen zugute, dann bist du ein rechter Christ.”

Ich wiederhole es: Diese Art der Reformation fortzusetzen und am Leben zu halten, lohnt sich. Dass viele von uns nicht im christlichen Glauben verwurzelt sind, ist kein Abbruch. Es geht um allgemeine Werte: um Freiheit und Solidarität, um Mitmenschlichkeit und ein soziales Miteinander, um Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Und wenn ich mich hier im Saal umsehe, erkenne ich unschwer, dass viele von Ihnen diese Werte nicht nur verinnerlicht haben, sondern praktizieren.

Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren zum Beispiel, die bei der nächtlichen Alarmierung nicht nach Ruhm und Anerkennung fragen, sondern ihren Dienst am Nächsten leisten.

Die Unternehmer, die den Erfolg der eigenen Firma auch wegen und für die Mitarbeiter und deren Familien anstreben.

Die Vertreter der Kirchgemeinden, in denen Kinder und Erwachsene, Deutsche und Nicht-Deutsche willkommen sind und eine Heimat haben.

Diejenigen Politiker, die nicht auf ihre Popularität und ihre Wiederwahl schielen, die nicht jede Neuigkeit über ihren Presseverteiler versenden, sondern denen unser Gemeinwesen am Herzen liegt.

Die Menschen, die sich in Vereinen und Verbänden für Ihre Mitmenschen engagieren.

Oder diejenigen, die eben mit dem Späti, mit der Kunstaktion auf dem Hauptmarkt oder mit dem Aufstellen der Gedenkbänke zeigen, dass Zwickau noch mehr zu bieten hat und Herz hat.

Im traditionellen Jahresabschlussgespräch gab ich gegenüber den Vertretern der Medien zu, dass 2016 das schwierigste Jahr meiner Amtszeit war.

Spätestens wenn ich mir das Engagement vergegenwärtige, dass viele Zwickauer an den unterschiedlichsten Stellen unserer Gesellschaft zeigen ‑ spätestens dann betone ich gerne und mit Überzeugung:

Ich lebe gerne in Zwickau, ich bin stolz Zwickauerin zu sein, ich freue mich auf 2017!

Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass es Ihnen genauso geht!

Quelle: Stadt Zwickau

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