So tönte es gestern Nachmittag (14.04.2016) an mindestens drei Haustüren im Leipziger Norden. In zwei Fällen gewährten die Mieterinnen Einlass, nur in einem biss sich der „Wolf“ die Zähne aus.

1. Fall

Da blitzte er gnadenlos vor der Wohnungstür einer 78-Jährigen ab. Sie war nachmittags, gegen 13:30 Uhr, nach Hause gekommen und als sie die Haustür öffnete, trat ein junger Mann an die Klingelanlage. Er läutete an ihrer Wohnung. Daraufhin fragte die Dame nach und er erklärte, Ermittler zu sein. Dann tischte er ihr eine Geschichte auf: Zwei Männer wären festgenommen worden und säßen auf dem Revier. Einer hätte einen Zettel mit ihrer Anschrift dabei gehabt. Nun wolle er prüfen, ob es bei der Dame zum Einbruch gekommen sei. Gemeinsam sollten sie nachschauen, so der Unbekannte. Doch die Dame traute ihm nicht und erklärte, dass er vor der Wohnungstür warten solle. Sie ging in die Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Als sie nach eingehender Prüfung wieder vor die Wohnungstür trat, war der vermeintliche Ermittler verschwunden. Sofort informierte sie die „richtige“ Polizei und beschrieb den Mann folgendermaßen: ca. 40 Jahre alt, ca. 180 cm groß, schlank, kurze dunkle Haare, schwarze Jacke mit einem Aufdruck.

2. Fall

Schon gegen 15:30 Uhr schellte eine weitere Türglocke, dieses Mal zur Wohnung einer 86-Jährigen in der Strelitzer Straße. Sie war kurz zuvor vom Einkaufen zurückgekehrt und hatte nur noch fix die Post aus dem Briefkasten geholt, als ein junger Mann anbot, den Einkaufstrolley in den Hausflur zu stellen. Letztlich trug er diesen noch bis in die Wohnetage und klingelte an ihrer Wohnungstür. Sie fragte nach, wohin er wolle. Er erwähnte ihren Namen und schob noch schnell hinterher, ein Ermittler zu sein. Dann zeigte er eine kleine Plastikkarte und erzählte, sie hätten zwei Männer festgenommen, die viel Bargeld bei sich getragen hatten und ihre Adresse erwähnten. Nun wolle er deren Aussage prüfen und sie solle ihre Wertsachen prüfen. Er fragte, wo sich ihr Bargeld, ihr Schmuck, ihre Goldbarren befänden und ob sie Münzen habe. Daraufhin zeigte die 86-Jährige ihren Schmuck. Nach kurzer Begutachtung durch den vermeintlichen Kriminalisten gab dieser den Schmuck zurück und verschwand. Nun kam das der Dame sonderbar vor und sie erzählte es einem Nachbarn. Dieser wiederum erklärte, dass es niemals ein Ermittler gewesen sei und riet ihr, die Polizei zu rufen. Gesagt, getan – bei Eintreffen der Gesetzeshüter beschrieb sie den falschen Polizisten folgendermaßen- 28 – 33 Jahre alt- 170 – 175 cm groß- schlank- gutaussehend- dunkelblonde, kurze Haare (nicht sehr kurz), gepflegt- keine Brille, kein Bart, keine Auffälligkeiten- deutsche Sprache, kein Akzentund erklärte noch, dass nichts verschwunden sei. Da aller guten und wahrscheinlich auch aller weniger guten Dinge drei sind, versuchte der Unbekannte doch noch in einem dritten Fall, Beute zu machen. So klingelte es nicht weit entfernt in der Max-Liebermann-Straße bei einer 80-Jährigen.

3. Fall

Auch dieser Dame (80), die gegen 16:00 Uhr heimkehrte, bot ein Mann an der Haustür seine Hilfsbereitschaft an. Dann verschwand er im Treppenhaus, kehrte aber kurze Zeit später zurück und erklärte – wen wunderte es – zu einer Frau ihres Namens zu wollen. Gemeinsam gingen sie zur Wohnungstür der 80-Jährigen, wo der Unbekannte nun erwähnte, Polizist zu sein. Außerdem erzählte er dieselbe Story wie der Dieb, der kurz zuvor sein Unwesen in der Strelitzer Straße trieb und fragte ebenso nach Bargeld, Schmuck und Münzen. Sie zeigte ihre Brieftasche und den Briefumschlag mit dem Ersparten. Fachmännisch zog sich der vermeintliche Ermittler Handschuhe an und prüfte. Dann forderte er die Dame auf, in Wohnstube und Kinderzimmer zu schauen, ob alles seine Richtigkeit hat. Später forderte der fürsorgliche Unbekannte sie gar noch auf, sich einen Kaffee zu kochen, damit sie sich beruhige. Mit den Worten, die Spurensicherung zu schicken, verließ er nach dreimaligem Klingeln die Wohnung. Doch Polizisten zur Spurensicherung tauchten nicht auf. So wurde die Dame stutzig und schaute nach ihrem Geld. Es war verschwunden. Daraufhin rief sie die Polizei und beschrieb den Täter. Die Beschreibung ähnelte ganz verdächtig dem Täter aus der Strelitzer Straße, die sie noch um die Bekleidung ergänzte: schwarzen Lederjacke, blaue Jeans und Schuhe mit auffällig weißen Sohlen. In ihrem Fall allerdings erbeutete der Unbekannte knapp über 1.000 Euro. (MB)

pdl

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