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Mehr Geld für Integration von Schülern mit Migrationshintergrund

Kurth: Kinder mit Migrationshintergrund willkommen an sächsischen Schulen

„In den nächsten zwei Jahren können unseren Schulen mit zusätzlich 5,7 Millionen Euro für die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund rechnen“, verkündete Kultusministerin Brunhild Kurth, die heute (30. März 2015) beim Besuch der 102. Grundschule „Johanna“ das Asylpaket für sprachliche Bildung vorstellte. Mit den Geldern können unter anderem bis zu 100 neue Lehrer eingestellt werden. Auch die beruflichen Schulen profitieren davon. So sollen an den Berufsschulzentren Kurse finanziert werden, die Schülern mit Migrationshintergrund eine Ausbildung oder eine andere qualifizierte Beschäftigung ermöglichen. Auf das Asylpaket einigten sich die Regierungsfraktionen im Rahmen der Haushaltsverhandlungen. „Damit reagieren wir auf die gestiegenen Zahlen von Migranten. Mit dem finanziellen Rückenwind können die Schulen in Zukunft mit bewährter Qualität ihre Integrationsaufgabe wahrnehmen“, so Kurth, die darauf verwies, dass das Asylpaket noch vom Sächsischen Landtag verabschiedet werden muss.

Für den herkunftssprachlichen Unterricht und die Begleitung der Schüler im Schulalltag sind zusätzlich pro Jahr 200.000 Euro vorgesehen. Damit würden für 2015 und 2016 insgesamt eine knappe Millionen Euro bereit stehen. Das wäre eine Verdoppelung der bisherigen Mittel. Derzeit bieten 47 Lehrkräfte herkunftssprachlichen Unterricht in 14 Sprachen an (Vietnamesisch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Ungarisch, Bulgarisch, Chinesisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch, Portugiesisch, Arabisch, Persisch, Armenisch).

Auch die Volkshochschulen sind in dem Paket berücksichtigt und können in beiden Jahren 2015 und 2016 insgesamt mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 600.000 Euro für die sprachliche Bildung von Erwachsenen rechnen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der zwei- und mehrsprachig aufwachsenden Schüler um mehr als 70 Prozent gestiegen. Derzeit sind es 3.070 Mädchen und Jungen die von 200 Lehrern in 161 Vorbereitungsklassen im Unterrichtsfach „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) unterrichtet werden. „Die zusätzlichen Mittel unterstreichen die Willkommenskultur an den sächsischen Schulen. Für uns steht das Wohl der Kinder an erster Stelle, egal welchen Aufenthaltsstatus sie haben, wo sie herkommen und welcher Religion sie angehören, sie gehören dazu und bekommen von uns die bestmögliche Bildung“, so die Ministerin.

Neben den finanziellen Mittel sind die Schulen in Sachsen besonders mit dem Unterrichtsfach „Deutsch als Zweitsprache“ konzeptionell gut aufgestellt. Hier lernen die Schüler nicht nur die Alltagssprache, sondern auch die für den Regelunterricht notwendige Bildungssprache. Es gibt drei Etappen, die die Schüler durchlaufen. Zunächst werden grundlegende alltagssprachliche Kenntnisse vermittelt. In der zweiten Etappe nehmen die Schüler schrittweise am Regelunterricht, z. B. in Sport, Kunsterziehung und Musik, teil. Zum Schluss steht die volle Integration in die Regelklasse. Der Übergang von der Vorbereitungsklasse in die Regelklasse ist ein individueller und stufenweiser Prozess, der von Betreuungslehrern begleitet und gesteuert wird. Die Betreuungslehrer sind als Mentoren, Berater und Integrationsbegleiter tätig. Sie sind auch Ansprechpartner für die Eltern und außerschulische Partner. „Für Flüchtlingskinder sind die Betreuungs- und Fachlehrer der erste intensive Kontakt in einem fremden Land. Sie sind Vorbilder und geben den zum Teil traumatisierten Kindern Geborgenheit, Sicherheit und Bildung. All den Kolleginnen und Kollegen, die diese Aufgabe annehmen und meistern, gelten meine größte Anerkennung und mein Dank. Diese wertvolle Arbeit lässt sich mit Geld nicht aufwiegen“, machte Kurth auf der Pressekonferenz deutlich.

Derzeit unterrichten 200 DaZ-Lehrer an sächsischen Schulen. „Wir sind dabei die Zahlen weiter zu erhöhen, um den steigenden Bedarf gerecht zu werden“, so die Ministerin. Anfang Januar starteten zwei Fortbildungskurse an der TU Chemnitz mit 85 freiwilligen Teilnehmern, die mittlerweile diese Fortbildung erfolgreich beendet haben. Im Sommer 2015 beenden weitere 18 Lehrer an der Uni Leipzig die berufsbegleitende Weiterbildung. „Wir sind auch intensiv mit der TU Dresden im Gespräch, um weitere Angebote zur Qualifizierung zu erhalten“, sagte Kurth.

Die sächsischen Schulen können auf ein breit angelegtes Unterstützungssystem zurückgreifen. In jeder Regionalstelle der Bildungsagentur steht ein Koordinator für Migration/Integration bereit, es gibt die Betreuungslehrer an der Schule und spezielle Ansprechpartner im Kultusministerium. In den fünf Sprachkompetenzzentren (Leipzig, Chemnitz, Dresden, Freiberg und Görlitz) stehen zudem ausgebildete Sprachberater zur Verfügung, die Lehrerfortbildungen anbieten und für Fragen zum DaZ-Unterrichtsfach beantworten.

„Trotz aller Herausforderungen und Kraftanstrengungen die mit der Integration von Schülern mit Migration verbunden sind, sind zwei- und mehrsprachig aufwachsende Kinder für unsere Schulen eine Bereicherung, da Sprachen und andere Kulturen in einer globalisierten Welt immer wichtiger werden. Die meisten Schüler sind außerdem hochmotiviert und freuen sich darauf, die deutsche Sprache zu lernen und unterstützen ihre Mitschüler. Heißen wir sie an unseren Schulen herzlich willkommen“, betonte die Ministerin.

Aktuell lernen 25.429 Schüler mit Migrationshintergrund aus 141 Ländern an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Das entspricht einem Anteil von 6 Prozent an der Gesamtschülerschaft (382.031 Schüler in Sachsen an öffentlichen Schulen). Im ersten Schulhalbjahr wurden 20 neue Vorbereitungsklassen eröffnet und 16 neue Lehrkräfte eingestellt. Bei Bedarf kann die Anzahl bis zum Schuljahresende um weitere 17 neue Klassen erhöht werden.

Definition „Schüler mit Migrationshintergrund“:

Schüler mit Migrationshintergrund sind in Sachsen jene, die zwei- und mehrsprachig aufwachsen und selbst oder deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland zugewandert sind, ungeachtet ihrer gegenwärtigen Staatsangehörigkeit und ungeachtet ihres Aufenthaltsstatus. In Sachsen besteht für Schüler mit Migrationshintergrund Schulpflicht unabhängig vom Aufenthaltsstatus – also auch für Kinder von Asylsuchenden.

Diese Definition bildet auch die Grundlage für die statistische Erfassung der Schüler.

Informationen zur 102. Grundschule „Johanna“ in Dresden:

https://cms.sn.schule.de/gs102dd/start/

 Quelle: Freistaat Sachsen

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