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Projekt böte moderne Voraussetzungen in historischem Umfeld – Nachhaltigkeit ist gewährleistet

Die Stadtverwaltung Zwickau schlägt vor, den dringend erforderlichen Archivneubau schon ab 2015 zu beginnen und das Gebäude 2019 für die 4. Sächsische Landesausstellung zu nutzen. Der Neubau, der im Stadtteil Pölbitz und direkt beim August Horch Museum entstehen würde, kostet rund 15,5 Mio. Euro und könnte bis zum 3. Quartal 2018 errichtet sein. Der Innenausbau zum Archiv und für die Depots würde nach dem Ende der Landesausstellung im Jahr 2020 erfolgen. Der Vorschlag soll nun in der Sitzung des Stadtrates am 18. Dezember behandelt werden und danach offiziell an die Staatsregierung übermittelt werden. Diese Überlegungen erläuterte Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß heute im Rahmen eines Pressegespräches.

Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß betont zusammenfassend: „Wir schlagen vor, die Landesausstellung in einem modernen Gebäude durchzuführen, das ideale Voraussetzungen bietet, sich aber zugleich in einem industriegeschichtlich bedeutsamen Umfeld befindet. Einen besonderen Vorteil sehe ich darin, dass sowohl der Neubau als auch das Gesamtareal dauerhaft genutzt werden und die Nachhaltigkeit des Projektes in jedem Fall gegeben ist.“

Neues Zentralarchiv ist dringend erforderlich

Das vorgeschlagene Gelände mit einer Größe von 16.400 qm wurde aus insgesamt neun in Frage stehenden Arealen ausgewählt. Auf dem Areal, das sich derzeit im Eigentum der Zwickauer Energieversorgung GmbH befindet, befinden sich zwei denkmalgeschützte Gebäude. Ansonsten ist es nach erfolgtem Rückbau ehemaliger Anlagen unbebaut, weitestgehend altlastensaniert und kurzfristig verfügbar.

Die Stadt beabsichtigt, den Neubau für das Stadtarchiv sowie für verschiedene Depots an diesem Standort mit einer Grundfläche von 5.500 qm zu realisieren. Beim Stadtarchiv selbst besteht im Hinblick auf die Deckentragfähigkeit, die Klimatisierung, den Brandschutz oder die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit dringender Handlungsbedarf. Bisher war diese Investition in der mittelfristigen Finanzplanung ab 2017 vorgesehen. Zugleich könnten im Stadtgebiet verteilte Archive und Depots aufgegeben werden und Ausstellungsgüter, die außerhalb Zwickaus gelagert sind, rückgeführt werden. Vorgesehen ist weiterhin, auch das Kulturamt räumlich zu integrieren. Synergieeffekte, die Einsparung von Mietzahlungen sowie die Vermeidung Kosten für unumgängliche Sanierungen und Modernisierungen, die etwa beim derzeit vom Kulturamt genutzten Gebäude erforderlich sind, wären die positiven Effekte.

Die Baukosten werden derzeit auf rund 15,5 Mio. Euro geschätzt. Darin enthalten sind ein städtischer Eigenanteil von 9,3 Mio. Euro sowie Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost in Höhe von 6,2 Mio. Euro. Das Sächsische Staatsministerium des Innern hat das Projekt in Vorgesprächen als grundsätzlich förderfähig eingeschätzt, es gibt aber noch keine Zusagen. Mittel für die Gestaltung und Durchführung der Landesausstellung sind darin nicht enthalten. Diese Mittel werden, wie bereits bisher geplant, durch den Freistaat zur Verfügung gestellt.

Neubau bietet ideale Voraussetzungen für Landesausstellung in historischem Umfeld

Für die Landesausstellung hätte der Neubau den Vorteil, dass die Ausstellung im neuen Gebäude sicherer und museumsgerechter gezeigt werden kann. Forderungen, insbesondere der Exponate bereitstellenden Museen und Einrichtungen,  hinsichtlich Sicherheit, Klimatisierung, Beleuchtung oder Versicherung können im geplanten Neubau deutlich günstiger und besser als im ursprünglich geplanten Horch-Hochbau garantiert werden.

Zudem ergeben sich an dem Standort enge Bezüge zur lokalen und sächsischen Industriegeschichte. Konzentriert im Stadtteil Pölbitz befindet sich ein historischer Industriestandort mit den ehemaligen Kernbereichen Automobilindustrie, Textilindustrie, Verkehrstechnik und Mobilität, Energieversorgung und ehemaliger Schlachthof. Zu großen Teilen sind die Strukturen der historisch wertvollen Industrieflächen und -gebäude noch vorhanden, überwiegend denkmalgeschützt und genutzt. Hervorzuheben ist beispielsweise der 1926 bis 1928 errichtete und noch heute genutzte Straßenbahnbetriebshof, die historischen Bobinetwebstühle, die im benachbarten Gebäude stehen, oder die unmittelbare Nähe zum August Horch Museum, wo Automobilgeschichte geschrieben wurde. Hier wurde 1909/10 Audi gegründet. Später befand sich hier das Sachsenring Werk II.

Der ehedem favorisierte Horch-Hochbau spielt aus Sicht der Stadtverwaltung damit keine Rolle mehr. Weitergehende Untersuchungen ergaben hier aufgrund der Altlastenproblematik mittlerweile höhere Kosten. Um den Bau nach der Landesausstellung als Archiv nutzen zu können wären weitere Aufwendungen erforderlich gewesen. Die Investitionskosten wären somit von etwa 14,875 Mio. Euro auf geschätzt 21 Mio. Euro angewachsen.

Einer dauerhaften kommunalen Nutzung stehen außerdem die Sicherheitsansprüche des Eigentümers gegenüber, der für eine langfristige Nutzung des Gebäudes nur die untersten beiden Etagen zur Verfügung gestellt hätte. Die Nutzung des 3. und 4. Geschosses behält sich die FES GmbH vor. Damit sind eine effektive Nutzung und ein Umbau des Gebäudes unmöglich. Eine nachhaltige Nutzung des Objekts zur prüfen, war jedoch ausdrücklicher Wunsch des Zwickauer Stadtrates gewesen.

Entscheidung des Stadtrates soll im Dezember fallen

Das Sächsische Kabinett hatte am 28. Januar 2014 entschieden, die 4. Sächsische Landesaustellung im Jahr 2018 in Zwickau durchführen zu wollen. Am 27. März fasste der Stadtrat den Grundsatzbeschluss zur Landesausstellung und zur Sanierung des Horch-Hochbaus. Im Mai musste die Stadt Zwickau schließlich darüber informieren, dass die rechtzeitige Sanierung des denkmalgeschützten Baus aufgrund von Abschreibungserfordernissen nicht garantiert werden könne. In der Folgezeit wurden das weitere Vorgehen sowie denkbare Varianten für die Landesausstellung umfangreich geprüft. Dabei wurde auch das Anliegen des Stadtrates berücksichtigt, eine dauerhafte Nutzung des für die Landesausstellung vorgesehenen Areals bzw. Gebäudes in Erwägung zu ziehen. Das Ergebnis der Prüfung ist nun der Vorschlag, am Standort Audi-/Schlachthofstraße ein neues Zentralarchiv zu bauen, das im Jahr 2019 zunächst für die Landesausstellung genutzt werden könnte.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung wird nun in den Fachausschüssen vorberaten und soll in der Stadtratssitzung am 18. Dezember behandelt werden. Danach muss der Freistaat Sachsen entscheiden. Sollte dem Vorschlag zugestimmt werden, würden 2015 die notwendigen Planungen erfolgen, 2016 würde mit dem Bau begonnen, der 2018 fertig gestellt wäre. Nach der Landesausstellung, die 2019 stattfinden könnte, würden die spezifischen Ausbauarbeiten für das neue Zentralarchiv erfolgen. Voraussichtlich Ende 2020 begännen dann die Umzüge des Stadtarchivs und der weiteren Bereiche in ihr neues Domizil.

Quelle: Stadt Zwickau

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