Polizeibeamter bei einer Verkehrskontrolle2014_0122_02

Autofahrer, die mit ihrem PKW Mitfahrer mitnehmen wollen, sollten vorsichtig sein. Zunehmend nutzen Kriminelle Online-Mitfahrzentralen, um Menschen illegal in EU-Länder zu schleusen. Schnell geraten daher auch unwissende Autofahrer in Verdacht, selbst Mitglied einer Schleuserbande zu sein. Im schlimmsten Fall drohen Festnahmen, Vernehmungen und Strafverfahren.

Als ein Fahrer aus Sachsen auf der A 3 bei Passau von der Bundespolizei angehalten und kontrolliert wurde, staunte er nicht schlecht. Bei der Überprüfung seiner Mitfahrer stellte sich heraus, dass es sich um zwei ausweislose Afghanen handelte. Die beiden Personen hatte der ahnungslose Fahrer über ein Online-Mitfahrportal kennen gelernt und von Ungarn über Österreich mit nach Deutschland genommen. Doch Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Durch die illegale Mitnahme dieser Personen kann er sich bereits der Beihilfe zur unerlaubten Einreise beziehungsweise der Schleusung strafbar machen – mit allen für ihn unangenehmen Konsequenzen. Um sich nicht selbst in eine solche Situation zu bringen, sollten Autofahrer ihre Mitfahrer genau überprüfen.

Mitfahrer nimmt nicht selbst Kontakt zum Fahrer auf

„Es gibt vor allem drei Anhaltspunkte, um Schleusungsversuche zu erkennen:

  1. Die Kontaktaufnahme zum Fahrer erfolgt nicht durch den Mitfahrer selbst, sondern in der Regel durch einen Vermittler.
  2. Die Fahrtkosten werden zu Beginn der Reise oder am Zielort von einer anderen Person bezahlt.
  3. Die Mitfahrer sind häufig nicht in der Lage, sich mit dem Fahrer zu verständigen“,

erläutert Polizeioberrat Jan-Henrik Minor von der Bundespolizei. Der Hintergrund ist folgender: Für die Vermittlung von zu schleusenden Personen nehmen Schleuserbanden über Online-Mitfahrzentralen Kontakt zu Anbietern von Mitfahrgelegenheiten auf. Dabei geben sie sich zum Beispiel als Freunde oder Bekannte aus. Oft müssen die geschleusten Personen dafür hohe Geldbeträge an die Schleuser entrichten. Nicht selten verschulden sie sich dafür, was zu einer jahrelangen Abhängigkeit von der Schleuserorganisation führen kann. Um Menschen unter Umgehung der gesetzlichen Einreisebestimmungen in EU-Länder zu befördern, nutzen Schleuser grundsätzlich alle Verkehrsmittel. „Sie wenden sich für ihre kriminellen Machenschaften an Online-Mitfahrzentralen. Daher ist das für die Bundespolizei im Rahmen der Kriminalprävention auch ein Thema. In Zusammenarbeit mit den Ländern haben wir auf unserer Internetseite nützliche Informationen zusammengestellt“, so der Polizeioberrat. Dazu zählen vor allem Hinweise für die Fahrer: „Haben Autofahrer den Verdacht, dass es sich um eine geplante Schleusung handelt, sollten sie darauf bestehen, dass der Mitfahrer sich vor der Fahrt mit einem Pass beziehungsweise Personalausweis ausweist. Das sollten sie ihm auch bereits bei der Kontaktaufnahme mitteilen. Kann er keinen Pass vorzeigen, ist von einer Mitnahme Abstand zu nehmen. Denn das ist schon ein erstes Indiz dafür, dass da etwas nicht stimmt. Dann sollte man auch die Polizei informieren“, rät Minor.

Sehr gefährdet: Autofahrer mit grenzüberschreitenden Mitfahrgelegenheiten

Besonders vorsichtig sollten Autofahrer sein, die grenzüberschreitende Mitfahrgelegenheiten anbieten. Als Hauptzielland der sogenannten irregulären Migration in Europa gilt mittlerweile Deutschland. Im Jahr 2013 hat die Bundespolizei laut ihrem Jahresbericht fast 34.000 unerlaubt eingereiste Personen angezeigt. Das ist eine Steigerung von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der unerlaubte Aufenthalt im Bundesgebiet ist um 31 Prozent gestiegen. Zu den relevantesten Herkunftsländern des Jahres 2013 zählen Syrien, Russland und Afghanistan. Auch im ersten Quartal 2014 waren unter den geschleusten Personen viele Staatsangehörige aus Syrien, aber auch aus Eritrea, Afrika.

Was sollte man bei Verdacht tun?

  • Bestehen Sie darauf, dass sich die Mitfahrer vor Fahrtantritt ausweisen. Teilen Sie dies bereits bei der Kontaktaufnahme mit.
  • Können die Mitfahrer keine Pässe vorweisen, nehmen Sie Abstand von einer Mitnahme und informieren die Polizei. Das gleiche gilt, wenn Sie aufgrund der Gesamtumstände erhebliche Zweifel an der rechtmäßigen Ein- oder Ausreise haben.
  • Verständigen Sie die Polizei in Deutschland über den polizeilichen Notruf 110 oder die Bundespolizeihotline 0800 / 6 888 000.
  • Wenden Sie sich im Ausland an den dortigen Polizeinotruf oder die nächstgelegene Polizeidienststelle.

Quelle: PolizeiDeinPartner

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