FSV

Mit großer Verwunderung hat der FSV Zwickau e.V. heute Kenntnis vom Antrag der Zwickauer Stadtratsfraktionen CDU, BfZ/Grüne und AfD für die Stadtratssitzung am 18.9.2014 erlangt.

Mit dem Antrag verfolgen die o.g. Fraktionen die Aussetzung der Umsetzung des Stadionprojektes. Begründet wird dies hauptsächlich mit dem Informationsinteresse der vielen neuen Stadträte, um anschließend das Projekt mit einer breiten Mehrheit im Rat fortführen zu können.

Gegen eine Information der neu gewählten Stadträte über den bisherigen Verfahrensstand und die zukünftigen Projektschritte ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Wem es allerdings nur um Informationen geht, der kann diese auch ohne einen förmlichen Stadtratsbeschluss sicher auch kurzfristig bei der Verwaltung einholen.

Der FSV Zwickau kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es vielmehr darum geht, das Stadionprojekt „auf Eis zu legen“.

Die Glaubwürdigkeit und die Verlässlichkeit von Politik, hier insbesondere von Teilen des Zwickauer Stadtrates, sind zumindest aus Sicht des FSV Zwickau in erheblichem Maße erschüttert.

Der Verein ist im Sommer 2011 aus dem Westsachsenstadion ausgezogen und hat seine vorläufige Heimat auf einem ehemaligen Schulsportplatz gefunden, um eine Sanierung des Westsachsenstadions zu ermöglichen. Der FSV Zwickau hat hierauf vertraut.

Als dieses Vorhaben aus Kostengründen im November 2011 aufgegeben wurde, hat der Stadtrat im April 2012 entschieden, an anderer Stelle einen Neubau zu errichten, welcher dem Verein auch für die Zukunft in sportlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht Entwicklungspotential bietet. Der FSV Zwickau hat hierauf vertraut.

Der Stadtrat hat im September 2013 einen Bebauungsplan für den Stadionneubau verabschiedet. Der FSV Zwickau hat hierauf vertraut.

Der Stadtrat hat entschieden, kraft eigener Verantwortung das Projekt durchzuführen und die Bürger der Stadt hierüber nicht entscheiden zu lassen. Der FSV Zwickau hat hierauf vertraut.

Das Bebauungsplanverfahren musste in Teilen wiederholt werden und der Bebauungsplan wurde vom Stadtrat im März 2014 ein 2. Mal bestätigt. Dies sollte der endgültige Startschuss für den Neubau werden.  Der FSV Zwickau hat hierauf vertraut.

Seitens der stärksten Fraktion im Zwickauer Stadtrat, der CDU, wurde trotz einiger Bedenken erklärt:

„Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit entschieden, dass über den Stadionneubau nicht die Zwickauer selbst, sondern die Stadträte für die Zwickauer entscheiden. Die Entscheidung für den Stadionneubau hat der Stadtrat sodann mit einer deutlichen Mehrheit von 27 Ja-Stimmen (bei 43 anwesenden Ratsmitgliedern) getroffen. Als gute Demokraten akzeptieren wir beide Entscheidungen. Denn wo unmittelbare und repräsentative Demokratie gleichermaßen zulässig sind, ist nach unserem Demokratieverständnis die mehrheitlich getroffene Entscheidung auch die zu akzeptierende. Wir stellen uns nicht gegen demokratische Entscheidungen!“

Der FSV Zwickau hat hierauf vertraut.

Dass ausgerechnet diese Fraktion zu den Antragstellern gehört, welche das Stadionprojekt nunmehr aus vorgeblichem Informationsinteresse stoppen will, hält dem FSV Zwickau den eigenen Fehler deutlich vor Augen.

Wir haben zu viel vertraut!

Sollte der Antrag auf Aussetzung des Stadionprojektes vom Stadtrat beschlossen werden, hätte dies für unseren Verein weitreichende Konsequenzen.

Mit dem Ratsbeschluss zum Neubau eines drittligatauglichen Stadions in Zwickau hat der Verein eine Zukunftsplanung aufgestellt und öffentlich gemacht. Seitdem sind die berechtigten Forderungen der Politik und der Öffentlichkeit zur Professionalisierung des Vereines bestimmend für unser Handeln.

Sowohl im sportlichen, wirtschaftlichen und administrativen Bereich des Vereines sind Entscheidungen getroffen worden, um den Verein in eine Situation zu bringen, ein Drittligastadion mit entsprechendem Leistungsfußball zu füllen und auch vereinsseitig einen wesentlichen Beitrag zur Unterhaltung des Stadions zu leisten.

Nachdem durch den notwendigen erneuten Beschluss zum Bebauungsplan ein Spieljahr verloren gegangen ist, würde höchstwahrscheinlich durch das von den neuen Stadträten gewünschte Prüfungszeitfenster ein weiteres Spieljahr verloren gehen.

Sollte dies tatsächlich eintreten, steht nicht nur eine mögliche Entwicklung des Fußballs in Zwickau nach oben auf dem Spiel.

Es bestünde in einem solchem Falle die ernste Gefahr, dass der FSV Zwickau in der kommenden Saison 2015/16 die Oberliga Süd (5. Liga) bereichern wird.

Momentan spielt der FSV Zwickau im NOFV-Bereich im Sportforum Sojus mit einer Ausnahmegenehmigung, die eigentlich nur für maximal 24 Monate gewährt werden kann, im Hinblick auf den beschlossenen Stadionneubau wohlwollend für die laufende Saison verlängert wurde.

Seitens des NOFV wurde der Verein auf folgendes nachdrücklich hingewiesen:

„ Aus gegebenem Anlass machen wir darauf aufmerksam, dass dem FSV Zwickau die Spielberechtigung für die Regionalliga Nordost für die Spielstätte „Sportforum Sojus“ nur unter erheblichen Ausnahmegenehmigungen und Auflagen erteilt wurde. Die derzeit genutzte Spielstätte konnte überhaupt nur unter dem Ausnahmetatbestand zur Regionalliga zugelassen werden, da es sich, nach heutigem Stand, um eine temporäre Ausweichspielstätte handelt. Sollten die Beschlüsse zum Stadionneubau aufgehoben werden oder aber ein deutlicher Zeitverzug bei der Projektumsetzung eintreten, könnten hier keine Ausnahmetatbestände mehr geschaffen werden. Allein im Sinne der Gleichbehandlung aller Vereine im Lizensierungsverfahren muss durch den FSV Zwickau für die kommende Spielzeit 2015/16 eine für die Regionalliga uneingeschränkt lizensierungsfähige Spielstätte gemeldet werden. Wir bitten den FSV Zwickau um entsprechende Beachtung.“

Im Falle eines Stopps des Stadionprojektes fordern wir die antragstellenden Stadträte auf, gleichzeitig mitzuteilen, in welcher regionalligatauglichen Sportstätte der Stadt Zwickau der FSV Zwickau e.V. in der kommenden Spielzeit seine Heimspiele der 1. Männermannschaft austragen wird.

Wir fordern hiermit alle Fans und Unterstützer unseres Vereines und alle fußballinteressierten Zwickauerinnen und Zwickauer auf, ab sofort in aller Deutlichkeit und Öffentlichkeit für die Fortsetzung des Stadionneubaus an unserer Seite einzutreten.

Mit sportlichen und rot-weißen Grüßen

Vorstand    Aufsichtsrat    Geschäftsführung

Quelle: FSV Zwickau

Hier der Antrag dazu:

Antrag der Fraktionen CDU, BfZ/GRÜNE und AfD

zur Aufnahme eines Verhandlungsgegenstandes auf die Tagesordnung der Sitzung des Stadtrates am 18. September 2014 gemäß § 2 Abs. 2 der Geschäftsordnung des Stadtrates Betr.: Stadionneubau in Zwickau-Eckersbach; Aussetzung der weiteren Umsetzung hierzu gefasster Beschlüsse und nochmalige Diskussion des Vorhabens

Der Stadtrat möge beschließen:

1. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Umsetzung aller für die Projekte Stadionneu-bau sowie Neubau einer Ballsporthalle in Zwickau – Eckersbach gefassten Beschlüsse auszusetzen und weitere kostenverursachende Verpflichtungen ab sofort zu unterlassen. Die Stadtverwaltung wird zudem beauftragt, umzusetzen, dass gleiche Unterlassung auch durch die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft mbH erfolgt.

2. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, bis spätestens 10.10.2014 die Verfahrensstände aller zur Umsetzung der in Punkt 1. benannten Projekte gefassten Beschlüsse ausführlich schriftlich darzulegen. Dabei ist auch darüber Auskunft zu geben,
– welche Kosten bisher angefallen sind und unabweisbar noch anfallen werden, einschließlich bei der GGZ (Personalkosten und Sonderabschreibungen)
– welche rechtlichen Verpflichtungen zu welchen Konditionen die Stadt und die GGZ bisher eingegangen ist (Grundstücksgeschäfte, Vorverträge etc.),
– welche Ergebnisse bisher in Zusammenhang mit dem Stadionbau erfolgte Ausschreibungen erbrachten, und inwieweit diese erwarten lassen, den vorgegebenen Investitionskostenrahmen von 21,4 Millionen € brutto einhalten zu können,
– ob, und wenn ja welche, finanziellen oder rechtlichen Risiken in Zusammenhang mit dem Stadionbau und der Stadionbetreibung noch bestehen und wie diese ggf. in
ihrer Bedeutung eingeschätzt werden.

3. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, nach Vorliegen des unter Ziffer 2 genannten Materials eine gemeinsame Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses und des Finanzausschusses zur Thematik Stadion- und Sporthallenneubau in Eckersbach anzuberaumen, um eine Verständigung über die weitere Vorgehensweise im Kontext der finanziellen Gesamtlage der Stadt zu erzielen.
Daran soll auch die Geschäftsführerin der GGZ teilnehmen.

Begründung:

Die mittelfristig prognostizierte kritische Entwicklung des städtischen Haushaltes erfordert es, auch bereits beschlossene, in hohem Maße kostenträchtige Vorhaben, nochmals einer Begutachtung durch den nach den Kommunalwahlen neu zusammengesetzten Stadtrat zu unterziehen. Ziel ist dabei vor allem die Überprüfung der bisherigen Prioritätensetzungen unter dem Gesichtspunkt aktueller Erkenntnisse zu den Vorhabenkosten und zur Entwicklung der städtischen Finanzlage. Es geht also nicht darum, irgendwelche Projekte aufgrund neuer Mehrheitsverhältnisse „abzuwürgen“ oder zu bevorzugen, sondern darum, die knappen Mittel möglichst verantwortungsvoll und effizient einzusetzen.

Der Bau eines neuen drittligatauglichen Stadions und ggf. einer Ballsporthalle in Eckersbach war von Anfang an sowohl im Stadtrat als auch in der Bevölkerung umstritten. Umso wichtiger ist es, dass insbesondere die zahlreichen neuen Stadträte mit dem aktuellen Sachstand in dieser Angelegenheit vertraut gemacht werden, und dass die weitere Verfahrensweise vom neuen Rat mit möglichst breiter Mehrheit unterstützt wird. Damit dieser nicht vor vollendeten Tatsachen steht, muss ein Moratorium der Umsetzung früherer Beschlüsse erfolgen bis der Meinungsbildungsprozess abgeschlossen ist.
Die Einreicher sind sich bewusst, dass der Stadtrat für die Entwicklung Zwickaus als Sportstadt eine hohe Verantwortung trägt. Sie wahrzunehmen heißt auch, dass der Bau und die Unterhaltung neuer Sportstätten mittel- und längerfristig finanzierbar bleiben, ohne die Wahrnehmung anderer, für die Stadt wichtiger Aufgaben zu gefährden. Die Annahme des Antrags ermöglicht eine zeitnahe ergebnisorientierte Diskussion dieser Thematik.

Quelle: Stadt Zwickau

 

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