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Es gibt Vorfälle im Bankenbereich, die selbst die Verbraucherzentrale Sachsen noch Staunen lassen. So jüngst geschehen, als eine Kundin der Commerzbank AG (Frankfurt/M.) in Leipzig ratsuchend ihren Fall schilderte. Nachdem sie sich die letzten drei Jahre nicht um ihr Sparbuch gekümmert hat, stellte sie im Mai 2014 fest, dass von ihrem Guthaben in Höhe von 833 € kaum noch etwas übrig war. Seit 2011 hatte die Bank insgesamt 750 € abgebucht. Da derzeit nur noch wenig Geld auf dem Sparbuch vorhanden war, wandte sich die Bank Ende Mai mit einem gesonderten Schreiben an die Verbraucherin und forderte weitere 250 €. Sie berief sich dabei auf eine angebliche Vereinbarung über die Aufbewahrung von Post, nach der sie als sogenannter strenger Postabholer geführt wurde. Die Verbraucherzentrale Sachsen nahm sich dieses unglaublichen Falls an und erreichte, dass die Bank auf ihre Forderung verzichtet.

Für Dienstleistungen, mit denen Banken keine gesetzlichen Pflichten erfüllen, können diese ein angemessenes Entgelt verlangen. Vorliegend geht es um Fälle, in denen Kunden ihre Bankpost von der Bankfiliale unbefristet zur Abholung bereitgehalten haben möchten. Das kommt im privaten Kundenbereich selten vor. Die Seniorin, früher Kundin der Dresdner Bank AG, hatte mit dieser Bank eine entsprechende Vereinbarung geschlossen. Danach waren „Anzeigen, Mitteilungen oder sonstige Sendungen irgendwelchen Inhalts mit Ausnahme von Wert- und Einschreibesendungen sowie Kontoabschlüssen zum Jahresende, Depotauszüge und Fristsachen“ zur Abholung bereitzuhalten. Dafür wurde seinerzeit kein Entgelt erhoben. Nachdem 2011 die Dresdner Bank AG von der Commerzbank AG übernommen wurde, war zu klären, ob es überhaupt zu einer anderen, individuell wirksamen Vereinbarung über die nunmehr kostenpflichtige Aufbewahrung der Post gekommen ist. Die neue Regelung geht zudem weiter als die frühere, so erfasst sie z. B. auch Rechnungsabschlüsse, Wert- und Einschreibe-Sendungen, weshalb wohl vom strengen Postabholer die Rede war. Die Verbraucherin konnte sich an eine solche Abmachung nicht erinnern und die Bank konnte sie nicht beweisen. Deshalb ist es wohl zur Erstattung gekommen. “Es ist nicht ausgeschlossen, dass es weitere solcher Fälle gibt“, sagt Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Betroffene sollten sich bei der Verbraucherzentrale Sachsen melden. „Wir werden auch die Entgeltklausel auf ihre Zulässigkeit prüfen.“ In den Preis- und Leistungsverzeichnissen einiger Banken finden sich Regelungen über die Aufbewahrung von Post. „Das Entgelt der Commerzbank erscheint uns nicht angemessen“, sagt Heyer. Ein Blick in weitere Verzeichnisse hat ergeben, dass andere Banken diesbezüglich jährliche Entgelte zwischen 25 € und 60 € fordern. „Da könnte man ja vermuten, dass die Aufbewahrungsbox bei der Commerzbank aus purem Gold und auch noch mit Samt und Seide ausgeschlagen ist“, meint Heyer augenzwinkernd

Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen e.V.

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