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Sonderausstellung zum Gedenken an 150 Jahre August Horch


Sonderausstellung zum Gedenken an 150 Jahre August Horch


Sonderausstellung zum Gedenken an 150 Jahre August Horch

August Horch, der am 12. Oktober seinen 150. Geburtstag begangen hätte, ging es zeit seines Lebens um praktische Nachfolgeverbesserungen am Automobil. Er war nicht der Erfinder des heute so selbstverständlichen Fortbewegungsmittels, aber er hat bessere Gebrauchseigenschaften für seine Fahrzeuge umgesetzt und damit dem Automobilbau in frühester Entwicklungsphase ganz entscheidende Impulse verliehen. Seinen Leitsatz, dass er „unter allen Umständen nur große, starke und gute Wagen bauen wolle“, hat Horch zielgerichtet verwirklicht. Als er 1896 das erste Mal mit einem Automobil in Berührung kam, war die Erfindung gerade zehn Jahre alt. Das Auto steckte in den Kinderschuhen und war im Grunde eine Kutsche mit Verbrennungsmotor. August Horch erfand das Auto nicht – aber er war einer der Ingenieure der ersten Stunde, die den Motorwagen bei der Evolution zum Automobil begleiteten.

Neugier und Erfindergeist führten Horch 1896 mit „Papa Benz“ zusammen, der in Mannheim bereits Motorwagen bauen ließ. Nach nur vier Monaten übertrug dieser Horch bereits den Betrieb des Motorwagenbaus, was Horch u.a. verantwortlich machte für die Produktion des Vélo, des ersten, serienmäßig hergestellten Automobils der Welt. Auch gegen den Widerstand der Firmenchefs wollte er noch leistungsfähigere Modelle entwickeln. Er stieß an Grenzen. 1899 macht sich Horch deshalb in Köln-Ehrenfeld selbstständig und meldete bald sein erstes Patent an: Ein Abreißgestänge, das das Anspringen der Fahrzeugmotoren erheblich beschleunigte. Ein Jahr später war der erste eigene Wagen von August Horch fahrbereit. Mit unermüdlichen Schaffensdrang gelang es Horch im Dezember 1900, einen „Phaeton“ mit stoßfreiem Motor auf die Straße zu bringen. Er fuhr damit nebst Gattin und seinem Meister am 23. Dezember 1900 durch Köln. Doch zu einer Serienfertigung reichte das Startkapital nicht aus. Nur sechs Mobile des 5 PS starken Fahrzeuges wurden im ersten halben Jahr verkauft. In Köln hatte Horch mit seinem Unternehmen keine Zukunft. Es mangelte an Fläche und an Investoren. Im letzten Moment vor der Pleite kam Hilfe aus Sachsen, wo das Potenzial in Horchs Entwicklungen erkannt wurde. 1902 wurde in einer leerstehendend Spinnerei, mit 8 Arbeitern beginnend, bald der neue Zweizylindermotor zur Serienreife geführt. Auf Anraten des Rechtsanwaltes Dr. Stöss übernahm August Horch zwei Jahre später in Zwickau die stillgelegte Segeltuchweberei Wächter & Zeuner in der Crimmitschauer Straße 49. Mit offizieller Handelsregisterummeldung vom 30. September 1904 erhielt die Bergbaustadt ein neues Unternehmen, das in späteren Jahren den Namen dieser Stadt in spektakulärer Weise in alle Welt tragen sollte. Mit einer treuen Stammbelegschaft aus früheren Tagen und seinem Freund Hermann Lange wandte sich August Horch sofort nach der Gründung seiner neuen Firma (die lateinische Entsprechung seines Nachnamens brachte AUDI hervor) einer Neukonstruktion zu, dem Typ 10/22 PS, der bereits ein Jahr später fahrbereit auf den Rädern stand. Weiterentwickelt zum Typ B mit 28 PS Bremsleistung, startete Horch damit 1911 bei der Oesterreichischen Alpenfahrt, dem bedeutendsten Automobilsportwettbewerb vor dem I. Weltkrieg. Er errang dabei den Sieg in der Einzelwertung. Auch 1912 und 1913 blieb dem Audi-Team der Erfolg treu.

Von August Horch hat wenig Materielles die Zeit überdauert. Diese Sonderausstellung will sich dem Menschen August Horch nähern – wohlwissend um die bescheidenen Quellen. Der Aufbau ist chronologisch und folgt den markanten biografischen Meilensteinen und Wendepunkten. Begegnen Sie August Horch an sieben Stationen seines Lebens!

  1. Kindheit und Jugend 1868 – 1884
  2. Die Walz / Studium in Mittweida 1884 – 1891
  3. Auf dem Weg zum Automobil 1891 – 1899
  4. Vom Ingenieur zum Unternehmer 1899 – 1920
  5. Kräftemessen – Wettkampf beweist Qualität 1904 – 1914
  6. Nach dem Automobilbau 1920 – 1945
  7. Armut, Not und Ehre 1945 – 1951

Objektseitig wird die Schau im Gedenken an August Horch durch die folgenden Exponate visualisiert:

– Szenerie mit Schmiede-Utensilien

– Model seines Wohnhauses

– Juppe, Tornister, Stenz, Wanderbuch & Co.

– Hildebrand & Wolfmüller, Motorrad, 1895

– Motorwagen Benz Vélo, 1898

– Horch Modell 1, Phaeton, 1900

– Horch 10–12 PS, Modell 2, Tonneau, 1903

– Audi 14/35 PS, Typ C „Alpensieger“, 1919

– DKW F 10, 1950 (August Horch ließ es sich als Aufsichtsratsmitglied der Auto Union nicht

                                               nehmen, den F 10 im Mai 1950 zu inspizieren und auch darin Platz zu

                                               nehmen. Horch hatte jedoch an der Entwicklung des Wagens keinen Anteil

                                               mehr.)

– Radio mit Interview von August Horch, Rudolf Stöss und Alexander Graumüller

– Pokale, Typenschilder, Modelle, Plaketten..

An diesen Stätten hatte August Horch gewirkt:

1891 – 1892 Rostock

Eisengießerei Spierling, Konstrukteur

AG „Neptun“ Schiffswerft und Maschinenfabrik, Betriebsleiter

1892 – Mai 1896 Leipzig

  1. M. Grob & Co., Konstrukteur für Schiffsmotoren

Juni 1896 – Oktober 1899 Mannheim

Rheinische Gasmotorenfabrik Benz & Co., Betriebsleiter Motorwagenbau

November 1899 – Februar 1902 Köln-Ehrenfeld

  1. Horch & Cie., erste eigene Firma

März 1902 – Juni 1904 Reichenbach im Vogtland

  1. Horch & Cie., Verlagerung der Firma nach Sachsen

Mai 1904 – August 1920 Zwickau

  1. Horch & Cie. Motorwagenwerke AG (1904–1909), Firmenneugründung

August Horch Automobilwerke GmbH (1909–1910), Firmenneugründung

Audi Automobilwerke mbH / Audiwerke AG (1910–1920), Firmenumbenennung

September 1920 – Juni 1941 / Dezember 1942 – Mai 1944 Berlin

Sachverständiger für Kraftfahrzeuge aller Art, Gutachter,

diverse beratende und repräsentative Tätigkeiten

1933 – 1945 Chemnitz

Mitglied im Aufsichtsrat der Auto Union,

beratende Tätigkeiten beim Aufbau der Rennabteilung

Juni 1941 – Dezember 1942 / Mai 1944 – Juni 1945 Langenhessen (kriegsbedingtes Ausweichquartier im Gasthof Dinter in Langenhessen)

Juli 1945 – Februar 1951 über Helmbrechts nach Münchberg (Oberfranken)

Dreimonatiges Zwischenquartier in einem Gasthof; Altersdomizil in einer Villa der Fabrikantenfamilie Schoedel; Der Wunsch nach Winningen zu gehen, scheiterte an den harten Bestimmungen der französischen Besatzungsmacht.

Station: Februar 1951 Winningen (Beisetzung und letzte Ruhestätte)

„Ich baute Autos“ so benannte ein Mann seine Lebenserinnerungen, die erstmals 1937 im Berliner Schützenverlag erschienen. Die Grundlage dafür bildeten seine lückenlos geführten Tagebuchaufzeichnungen, die mittlerweile als verschollen gelten. Die detaillierte Niederschrift seines Lebenswerkes gehört heute zu den wichtigsten authentischen Quellen aus der Frühzeit des Automobilbaues in Deutschland.

An August Horch zu erinnern, heißt auch deutlich zu machen, dass die von ihm und seinen Nachfolgern erreichten Leistungen nicht nur schlichtweg Produkte ihrer Zeit waren.

Dahinter standen Menschen, die mit einer inneren Bindung an das Produkt die Leistungen auch vollbringen wollten. In unserer Zeit, in der derartige Grundhaltungen durch vordergründige Kommerzialisierung gerne verdrängt werden, besteht Traditionspflege auch darin, diese moralischen Werte in das Bewusstsein der Menschen zurückzuführen.

Quelle: August Horch Museum Zwickau gGmbH


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