NEUJAHRSEMPFANG DER STADT ZWICKAU IM ZEICHEN DES STADTJUBILÄUMS 900 JAHRE ZWICKAU

Der 21. Neujahrsempfang am Donnerstag, ab 17 Uhr, im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“, steht 2018 ganz im Zeichen eines besonderen Jubiläums: 900 Jahre Zwickau. Gastgeber sind die Stadt Zwickau und die Stadtwerke Zwickau Holding GmbH. Der Neujahrsempfang ist das erste gesellschaftliche Großereignis im Festjahr zu dem rund 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwartet werden. Wie immer steht die traditionelle offizielle Jahresauftaktveranstaltung im Zeichen des Dialoges. Den optischen und inhaltlichen Rahmen bestimmt diesmal ganz klar das Stadtjubiläum. Begründet ist das Zwickauer Festjahr durch die urkundliche Ersterwähnung der Stadt als „Zcwickaw“ anno 1118.

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Ihre Premiere haben zwei nagelneue Messewände, die im Foyer aufgestellt und der Öffentlichkeit erstmals präsentiert werden. Sie geben Auskunft über Zwickaus Historie und Gegenwart und sollen fortan an verschiedensten Orten zum Einsatz kommen.

Bei diesem offiziellen Auftakt zum Stadtjubiläum wird Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß nach ihrer traditionellen Neujahrsrede mit den sieben Hauptsponsoren das Glas erheben und auf ein unvergessliches Festjahr anstoßen, das mit ca. 110 facettenreichen Veranstaltungen Menschen jeden Alters begeistern und „mitnehmen“ soll.

Das Zuprosten soll diesmal allerdings nicht mit Sekt, sondern mit dem bernsteinfarbenen Bier „Elf18“ erfolgen, das die Mauritius Privatbrauerei Zwickau eigens zum Jubiläum „900 Jahre“ kreiert hat.

Als Ehrengast hat sich Professor Carl Hahn angesagt, der seit 1998 Ehrenbürger der Stadt Zwickau ist. In der Reihe der Ehrenbürger werden auch zwei bekannte Zwickauer Platz nehmen: Alt-OB Rainer Eichhorn und Jürgen Croy. Mit besonderer Freude kann die Zwickauer Oberbürgermeisterin in diesem Jahr einen Vertreter der tschechischen Partnerstadt Jablonec begrüßen: Bürgermeister Lukas Pleticha. Außerdem werden u. a. die Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann und Carsten Körber anwesend sein.

Die Neujahrsansprache beschäftigt sich ausführlich mit dem Festjahr. Zwickaus Oberbürgermeisterin weckt die Vorfreude auf die vielgestaltigen Ausstellungen, Veranstaltungen und Mitmach-Offerten, die über das Jahr verteilt Einheimische und auch zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland begeistern sollen. Die erste größere Veranstaltung, die eigens für das Festjahr konzipiert und organisiert wird, ist eine Sonderausstellung in den Priesterhäusern und diese sei keine reine rückwärtsgewandte Präsentation, so das Stadtoberhaupt: „Vielmehr verweisen in der Sonderausstellung ausgewählte Straßenschilder auf verschiedene Aspekte der Geschichte Zwickaus. Vor und in der eigens aufgebauten Schatzkammer werden einmalige, mitunter noch nie gezeigte Exponate präsentiert, etwa das Kopialbuch mit der Abschrift der Ersterwähnung von Zwickau 1118, das Stadtrechtsbuch von 1348, aber auch das wohl älteste Wasserspülklosett Zwickaus.“

Highlight des Festjahres wird die am 1. Mai beginnende Festwoche. „Wir feiern auch hier keine Kopie des Stadtfestes. Und wir richten keinen historisierenden Festumzug aus“, informiert die Oberbürgermeisterin. „Wir haben uns für das Festival of Lights entschieden, bei dem historische Gebäude und Plätze unserer Stadt mit Videomappings, Projektionen und Installationen illuminiert werden. Wir rücken unsere Denkmale und damit Stadtgeschichte in den Mittelpunkt. Zugleich zeigen wir, dass wir auch moderne Mittel nutzen und für ungewöhnliche Wege offen sind.“ Das Festjahr animiert in unterschiedlicher Weise zum Mitmachen.

Die Automobil- und Robert-Schumann-Stadt Zwickau ist l(i)ebenswert ‑ das betont Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß stets aufs Neue. Das Festjahr gibt guten Anlass zu reflektieren, welche Alleinstellungsmerkmale und Stärken eine Stadt hat, welche Entwicklung sie bis dato nahm, was entstanden ist und wo es zukünftig hingeht.

Für Zwickau spielt der Automobilbau eine entscheidende Rolle. „Bei VW wurde 2017 nicht nur das 5.555.555. Fahrzeug gefertigt. Die Konzernentscheidung, Zwickau zu einem europäischen Kompetenzzentrum der E-Mobilität auszubauen, bedeutet einen Imagegewinn und eine große Chance für unsere Stadt“, freut sich die Oberbürgermeisterin. „Engagement und Tatkräftigkeit der Zwickauer Unternehmer spiegeln sich auch auf dem Arbeitsmarkt wieder. Die Arbeitslosenquote sank 2017 von 6,3 % im Januar auf 4,8 % im Dezember.“ Es sei erstaunlich, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise kaum negative Folgen zeitigte, zumal Zwickau in den vergangenen 40 Jahren zwei Strukturwandel zu überwinden hatte, den gravierenden, alle Bereiche umfassenden, beginnend mit dem Jahr 1990 und schon gut zehn Jahre vorher den Einschnitt, der mit dem Ende der Steinkohleförderung einherging. „Wenn wir uns diese Geschichte vergegenwärtigen und die Gegenwart betrachten, dann können wir stolz sein und diesen Stolz auch zeigen!“

Dies sei nicht zu verwechseln mit Überheblichkeit oder Kritiklosigkeit, betont das Stadtoberhaupt: „Vielleicht ähnelt dieser Stolz eher einer guten Freundschaft. Freunde kennen sich, sie teilen Interessen und verfolgen gemeinsame Ziele, sie entwickeln sich zu einem guten Teil miteinander, sie vertrauen sich. Sie leben aber auch mit den Ecken und Kanten des jeweils anderen. Und wenn es zu weit geht, sagen sie, was nicht passt. Sie helfen einander.“

Zur Wachsamkeit gegenüber allen extremen und extremistischen Tendenzen und Ansätzen mahnt die Oberbürgermeisterin mit Blick auf unverfrorene Auftritte von Rechtsextremen. Wichtig sei ihr zudem eine angemessene Kommunikationskultur. „Dies ist primär ein politisches Gebot. Wichtig ist dies aber besonders für den Wirtschaftsstandort: Es werden zunehmend, so hoffe ich, Studenten aus dem Ausland an der Westsächsischen Hochschule studieren, es werden vermehrt Menschen aus anderen Staaten bei unseren Firmen arbeiten und sicher wird das VW-Werk, das künftige Kompetenzzentrum, vermehrt von Gästen aus anderen Ländern besucht, die hier vor Ort Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen möchten.“

(Hinweis: Die vollständige Rede von Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß lesen Sie im Anschluss an diese Medieninfo)

Den musikalischen Part übernimmt das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau, erstmals in diesem Jahr unter Leitung des neuen GMD Leo Siberski. Vor der Begrüßung durch die Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Zwickau, Bürgermeisterin Kathrin Köhler, erklingt die Ouvertüre zu Szenen aus Goethes „Faust“ von Robert Schumann.

Später folgen Werke Ludwig van Beethovens: „O wär‘ ich schon mit dir vereint“, die Arie der Marzelline aus „Fidelio“ mit Maria Mitich sowie „Mir ist so wunderbar“, ein Quartett aus „Fidelio“mit Maria Mitich, Johanna Brault, John Pumphrey und Karsten Schröter.

Nach der Neujahrsansprache der Oberbürgermeisterin erklingen drei Tanzepisoden aus „On The Town“. Der Tradition aller bisherigen Neujahrsempfänge folgend geht auch der offizielle Teil des 21. Zwickauer Neujahrsempfanges mit dem „Steigermarsch“ zu Ende.

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Die Organisation des Neujahrsempfangs

.übernehmen erneut in bewährter Weise die Stadt Zwickau und die Stadtwerke Zwickau Holding GmbH. Unterstützt werden sie dabei von der Zwickauer Energieversorgung GmbH, der Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH, der Wasserwerke Zwickau GmbH, der Gebäude- und Grundstücksgesellschaft mbH.

Auszubildende der Stadtverwaltung und der ZEV kümmern sich als Servicekräfte um die Besucher des Neujahrsempfangs.

Hauptsponsoren sind erneut die Sparkasse Zwickau und die Mauritius Brauerei GmbH.

Hauptsponsoren des Stadtjubiläums „900 Jahre Zwickau“ sind die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft mbH, die Mauritius Privatbrauerei Zwickau, Radio Zwickau, die Sparkasse Zwickau, die Volkswagen Sachsen GmbH, Weck+Poller Holding GmbH sowie die Zwickauer Energieversorgung GmbH.

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Es gilt das gesprochene Wort!

NEUJAHRSANSPRACHE

der Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau  Dr. Pia Findeiß

  1. Januar 2018

Meine Damen und Herren,

liebe Gäste,

Recht hast Du, liebe Kathrin Köhler: Uns steht ein abwechslungsreiches, an Höhepunkten reiches Festjahr bevor. Bis Dezember finden rund 110 Veranstaltungen statt!

„900 Jahre Zwickau“ zeichnet sich durch vier Aspekte aus:

Erstens: Es ist ein gelungener Mix von Bewährtem und Neuem.

Natürlich soll Schumann 2018 eine Rolle spielen. Die bis 1847 zurückgehende Tradition des Schumann-Festes wird erstmals mit einem internationalen Chorwettbewerb angereichert. Das historische Markttreiben wird in diesem Jahr nicht nur die Schumann-Zeit widerspiegeln, sondern auch wesentliche Epochen der Stadtgeschichte werden auf den Plätzen unserer Altstadt erlebbar gemacht.

Dass wir neue Wege beschreiten, belegt die Sonderausstellung in den Priesterhäusern. Es ist die erste größere Veranstaltung, die eigens für das Festjahr konzipiert und organisiert wird. Es wird keine reine rückwärtsgewandte Präsentation sein. Vielmehr verweisen in der Sonderausstellung ausgewählte Straßenschilder auf verschiedene Aspekte der Geschichte Zwickaus. Vor und in der eigens aufgebauten Schatzkammer werden einmalige, mitunter noch nie gezeigte Exponate präsentiert, etwa das Kopialbuch mit der Abschrift der Ersterwähnung von Zwickau 1118, das Stadtrechtsbuch von 1348, aber auch das wohl älteste Wasserspülklosett Zwickaus.

Der Höhepunkt wird die am 1. Mai beginnende Festwoche. Wir feiern auch hier keine Kopie des Stadtfestes. Und wir richten keinen historisierenden Festumzug aus. Wir haben uns für das Festival of Lights entschieden, bei dem historische Gebäude und Plätze unserer Stadt mit Videomappings, Projektionen und Installationen illuminiert werden.

Wir rücken unsere Denkmale und damit Stadtgeschichte in den Mittelpunkt. Zugleich zeigen wir, dass wir auch moderne Mittel nutzen und für ungewöhnliche Wege offen sind. Komplettiert wird die Festwoche durch Vorträge, die Museumsnacht, interessante Veranstaltungen des Theaters oder eine Nacht der offenen Kirchen, die in dieser Form auch erstmals in unserer Stadt stattfindet.

Der zweite Aspekt ist, dass das Festjahr in unterschiedlicher Weise zum Mitmachen animiert. Sowohl beim Fotowettbewerb, der das ganze Jahr über stattfindet, als auch beim Wettbewerb des Förderstudios Literatur kann sich jeder beteiligen. Beim Festival of Lights kann man sich an zwei Objekten aktiv einbringen.

Ich freue mich besonders, dass sich Ideen für nachhaltige Projekte dank der Unterstützung von Sponsoren umsetzen lassen: eine Installation mit Wasser und Licht auf dem Hauptmarktwestspiegel und die Neugestaltung des Spielplatzes im Schwanenteichpark.

Und das historische Dorf ist ein besonderer Beleg für die Beteiligung junger Menschen. Anliegen ist auch, aber nicht nur, ein Ensemble von historischen Hütten zu präsentieren, wie sie zu den Gründerzeiten der Stadt bestanden haben könnten. Das Ziel besteht vor allem darin, Jugendliche in Verantwortung zu bringen, ihnen Kompetenzen zu vermitteln und gemeinsam etwas Neues zu schaffen. Ein tolles Projekt von Stadtmission und Altem Gasometer.

Schon am historischen Dorf können Sie den dritten Aspekt ablesen: Das Mit- und Zusammenwirken! Es ist ganz erstaunlich, dass sich über 70 Vereine und Unternehmen aktiv in die Vorbereitung und Durchführung einbringen. Die FES unterstützt beispielsweise den Automobiltag, der Ende August stattfindet, die Firma Heinrich Schmid hat dieses wunderbare Banner ermöglicht, das am Gewandhaus zu sehen ist, und  „unser“ Nachtwächter Herr Brettschneider war einer der ersten überhaupt, der eine Veranstaltung für das Jahr 2018 vorschlug: das Treffen der Gilde der deutschen Nachtwächter.

Und ich bin geneigt zu sagen: Täglich werden es mehr Unterstützer! Allein in der letzten Woche erreichten uns Anfragen beispielsweise von der Thalia Buchhandlung, von der Fleischerei Hopfe oder von der Genusswelt Richter.

Kurz gesagt: „900 Jahre Zwickau“ ist ein Gemeinschaftswerk.

Dankbar bin ich auch über den vierten Aspekt. Es ist die Vielfalt der Angebote. Es gibt Sonderausstellungen und Open Air-Events, Veranstaltungen für Kinder und Sportwettbewerbe, Angebote in Kirchen wechseln sich ab mit Präsentationen der Wirtschaft.

Dieser Angebotsreichtum entspricht der Vielfalt, durch die sich unsere Stadt auszeichnete und noch heute auszeichnet.

Meine Damen und Herren,

auf diese Vielfalt und auf die Originale, die Zwickau hervorbrachte, können wir stolz sein.

Ich will Ihnen nicht die Liste der Alleinstellungsmerkmale erläutern ‑ Sie wissen, dass wir eine Reformationsstadt europäischen Ranges sind, Sie wissen, dass wir Robert-Schumann-Stadt sind und Max Pechstein und Gert Fröbe hier geboren wurden. Ihnen ist ebenso bekannt, dass Zwickau zu den wenigen Städten gehört, in denen seit bald 114 Jahren Fahrzeuge und Fahrzeugteile entwickelt und produziert werden, darunter der legendäre Trabant. Zwickau gehört zu den traditionsreichen Bergstädten: Das „schwarze Gold“ war eine der Grundlagen für die Industrialisierung und trug zum Wachstum Zwickaus im 19. Jahrhundert maßgeblich bei.

Lebten 1862 rund 20.000 Menschen in der Stadt, waren es 1900 bereits über 55.000.

Es gäbe noch eine ganze Reihe von Fakten, die aufhorchen lassen:

– eine der ältesten Feuernotordnungen Deutschlands entstand in Zwickau; sie ist Teil des genannten Stadtrechtsbuchs aus dem 14. Jahrhundert,

– aus unserer Stadt stammt – 1525 gedruckt – das erste lutherische Gesangbuch Sachsens,

– Anfang des 19. Jahrhunderts brachte August Schumann das Taschenbuch heraus, noch vor der heute namhaften Konkurrenz aus Leipzig,

– 1881 erfand Carl Wolf die Sicherheitsgrubenlampe,

– 1894 verkehrte die erste elektrische Straßenbahn Sachsens in Zwickau,

– Förster und Borries, ein Unternehmen, das es ja heute noch gibt, gab ein Jahr später das erste, im Dreifarbendruck hergestellte Buch heraus,

– 1902 gelang weltweit erstmals die Herstellung eines Kunstharzes für die Farbenproduktion,

– die Linkslenkung und der Frontantrieb in der Großserienfertigung wurden von Zwickauer Ingenieuren entwickelt,



– die „Braunsche Schiene“, ein chirurgisches Hilfsmittel, kennt weltweit jeder Arzt,

– und Fußball-Fans wissen, dass Zwickau 1948 Ostzonenmeister und ein Jahr darauf erster DDR-Oberliga Meister wurde. (In der 900 Jahre-Festkleidung hat der FSV im letzten Monat gegen den CFC gewonnen!)

Es gibt in der Stadtgeschichte natürlich auch die eine oder andere Anekdote, die uns heute schmunzeln lassen:

1524 beispielsweise zogen 400 bewaffnete Bürger gegen Culitzsch ins Feld. Der Grund: Die Culitzscher hatten es gewagt, kein Zwickauer Bier zu trinken.

Eine andere Begebenheit ‑ die in die Gegenwart weist ‑ soll sich am 1. Mai 1522 zugetragen haben, als Martin Luther aus dem Rathaus predigte. Der Teufel selbst soll in Baumaterialien gefahren sein und so gelärmt haben, dass die Umstehenden kaum noch etwas verstanden. Diese Materialien lagen schon für das „neue“ Gewandhaus bereit, dessen Bau im Mai des gleichen Jahres begann. Nun wissen wir also, was es mit der Redensart auf sich hat: „Der Teufel steckt im Detail“.

Was mich jedoch mehr beeindruckt, als diese reinen historischen Daten, ist, wie viele dieser Traditionen in die Gegenwart reichen.

Zugegeben: Wir haben kein Gert-Fröbe-Museum, auch wenn sich in seinem Geburtshaus die traditionsreiche Drechslerei Baumann befindet, die unseren inzwischen ausverkauften Festvogel kreierte.

Aber:

Wir haben nicht nur ein Schumann-Haus, wir haben das Robert-Schumann-Haus mit dem weltweit größten Bestand an Handschriften von Robert und Clara. In Zwickau befindet sich nicht nur ein Max-Pechstein-Museum, sondern das Max-Pechstein-Museum mit der weltweit größten Dauerausstellung von Werken des Expressionisten.

Hier ist auch nicht nur ein x-beliebiges Automuseum, sondern das August Horch Museum. Es ist eines von nur zwei Museen, die sich am originalen Produktionsstandort befinden und es verbindet auf eindrucksvolle Weise Automobil- und Regionalgeschichte.

In unserer Stadt befindet sich auch nicht irgendeine Bibliothek, sondern mit der Ratsschulbibliothek die älteste öffentliche und wissenschaftliche Bibliothek Sachsens.

Zwickau ist reich an Denkmalen. Sie zeugen von der eindrucksvollen Geschichte, sie werden vielfältig genutzt und haben oftmals eine überregionale Bedeutung. Denken Sie an die mit dem europäischen Kulturerbe Siegel ausgezeichnete Katharinenkirche oder weitere Kirchen, wie der Marienkirche ‑ den Dom ‑ , die in das 13./14. Jahrhundert zurückreichende Johanniskirche oder die Lutherkirche, die einzige rein im Jugendstil erbaute Kirche Sachsens. Zu den beeindruckenden Gebäuden gehören natürlich das Schloss Osterstein, das Kornhaus als Denkmal von nationaler Bedeutung, unser Johannisbad oder das Gewandhaus, in dem hoffentlich bald wieder unser Theater spielen kann.

Sie erkennen schon an diesen Beispielen, dass wir es mit Blick auf unser Stadtjubiläum nicht nur mit einer längst vergangenen Geschichte zu tun haben. Es gibt viele Traditionen, die heute auf die eine oder andere Weise lebendig sind.

Und Sie erkennen ‑ hoffentlich ‑ auch, dass in den letzten Jahren viel dafür geleistet wurde, um diese Traditionen zu pflegen, Denkmale zu erhalten und sinnvoll zu nutzen und mit Neuem zu ergänzen.

Innerhalb kürzester Zeit eine neue Schwimmhalle zu bauen und ein Stadion zu errichten, das Kornhaus zu einer modernen Bibliothek zu machen und die städtische Galerie grundhaft zu sanieren – das schafft nicht jede 90.000 Einwohnerstadt. Dabei wurden Kindertageseinrichtungen oder Schulen keineswegs vernachlässigt. Und die freiwilligen sozialen Leistungen belegen, dass Stadtrat und -verwaltung auch an sozial benachteiligte Mitbürger denken – vor allem an die Jüngsten unserer Gesellschaft.

2017 freuten wir uns über die Erweiterung des schon erwähnten Horch Museums, die Sanierung des altehrwürdigen Röhrenstegs begann und der Umbau des Puppentheaters ‑ auch etwas typisch Zwickauerisches ‑ konnte angepackt werden. Der Startschuss für den Neubau der Sporthalle am Biel wurde ebenso gegeben wie für die Sanierung der Neuplanitzer Fucikschule. Im Schlobigpark und in der Bahnhofsvorstadt entstehen neue Spielplätze. Mit „Zwickau blüht auf“ erlebte eine neue Veranstaltung ihre erfolgreiche Premiere ‑ dank der Kooperation vieler engagierter Partner.

Dankbar bin ich für das Engagement Dritter, wie beispielsweise dem HBK, das ein neues Ärztehaus baut, so dass die Entwicklung am Neumarkt weiter geht. Ich freue mich, dass die ZWG das Thema der sogenannten „Kavaliershäuser“ beim Schloss Osterstein angeht  und wichtig sind auch die Investitionen des Freistaates in die Polizeidirektion, in die Erweiterung des Finanzamtes, in die Hochschule oder in die neue JVA.

Mit dem Haushalt 2018 hat der Stadtrat weitere Weichen gestellt: Die Arbeiten für den Ersatzneubau der Sprachheilschule werden in diesem Jahr beginnen, auf der Agenda stehen neue Hortgebäude in Crossen und in Oberhohndorf, Bürgerschacht-, Audi- oder Horchstraße stehen für die Fortschritte in der Straßensanierung, in Sichtweite rücken das neue Ballsportzentrum in Neuplanitz sowie eine neue Oberschule, die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und die Stärkung des Straßenbahnnetzes sind mittelfristige Ziele.

Diese Fortführung von Traditionen und eine gute Entwicklung lassen sich auch im wirtschaftlichen Bereich ablesen. Arkema steht in der Tradition der „Lackharz“, Hoppecke, Johnson Controls oder GAZ/Enersys bauen in gewisser Hinsicht auf der Grubenlampe auf und die ZSB – Zwickauer Sonderstahlbau GmbH setzt die Geschichte der Königin Marienhütte fort. Mit der Sparkasse Zwickau, gegründet 1845, und der Mauritius Brauerei, deren Wurzeln in das Jahr 1859 reichen, sind zwei unserer ältesten Unternehmen Partner dieses Neujahrsempfangs.

Die Geschichte des Automobilbaus wird erfolgreich von Zulieferfirmen und der Westsächsischen Hochschule fortgesetzt. Bei VW wurde 2017 nicht nur das 5.555.555. Fahrzeug gefertigt. Die Konzernentscheidung, Zwickau zu einem europäischen Kompetenzzentrum der E-Mobilität auszubauen, bedeutet einen Imagegewinn und eine große Chance für unsere Stadt. Diese Entscheidung hängt übrigens vor allem mit dem Einsatz und der Kompetenz der Mitarbeiter hier vor Ort und der Geschäftsführung zusammen.

Engagement und Tatkräftigkeit der Zwickauer Unternehmer spiegeln sich auch auf dem Arbeitsmarkt wieder. Die Arbeitslosenquote sank 2017 von 6,3 % im Januar auf 4,8 % im Dezember.

Zufälligerweise erhielt ich vorgestern den Gemeindefinanzbericht der Uni Leipzig mit einer eigenen Auswertung zu Zwickau. Demnach erzielte Zwickau 2016 ‑ das ist die Datenbasis des Berichts ‑ Gewerbesteuereinnahmen, die im sächsischen Vergleich überdurchschnittlich sind. Sie lagen bei 141 % des sächsischen Pro-Kopf-Durchschnitts!

Und noch eine interessante Zahl: Die Pro-Kopf-Verschuldung lag im Vergleich zu den sächsischen Kommunen lediglich bei 43 %, im bundesdeutschen Vergleich sogar nur bei 25 %.

Diese wenigen Beispiele belegen, wie Unternehmen und Stadt Veränderungen und Krisen erfolgreich gemeistert haben. Es ist erstaunlich, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise kaum negative Folgen zeitigte.

Und bedenken wir: Zwickau hatte in den vergangenen 40 Jahren zwei Strukturwandel zu überwinden. Den gravierenden, alle Bereiche umfassenden, beginnend mit dem Jahr 1990. Aber schon gut zehn Jahre vorher den Einschnitt, der mit dem Ende der Steinkohleförderung einherging!

Wenn wir uns diese Geschichte vergegenwärtigen und die Gegenwart betrachten, dann können wir stolz sein und diesen Stolz auch zeigen! „Stolz“, meine Damen und Herren, ist nicht zu verwechseln mit Überheblichkeit oder Kritiklosigkeit. Vielleicht ähnelt dieser Stolz eher einer guten Freundschaft. Freunde kennen sich, sie teilen Interessen und verfolgen gemeinsame Ziele, sie entwickeln sich zu einem guten Teil miteinander, sie vertrauen sich. Sie leben aber auch mit den Ecken und Kanten des jeweils anderen. Und wenn es zu weit geht, sagen sie, was nicht passt. Sie helfen einander.

Denn Ecken und Kanten hat auch Zwickau: Natürlich gab es in der Geschichte der Stadt zahlreiche Krisen, Kriege und Katastrophen:

Auch in Zwickau fanden beispielsweise die unsäglichen Hexenverbrennungen statt. 1557 wurde die letzte Frau verbrannt, die hochbetagte, 85-jährige Elisabeth Pfeifer. Während der Reformationszeit stürmten aufgebrachte Bürger das Kloster.

Zu Zeiten des 30-jährigen Krieges, als durchziehende Truppen für Not und Elend sorgten, starb 1633 fast die Hälfte der Bevölkerung an der Pest.

Nicht zu vergessen sind ‑ um ein anderes Beispiel zu nennen ‑ die Verletzten und Toten der Bergwerksunglücke, wie beispielsweise die Katastrophe, die sich 1961 im Steinkohlewerk „Karl Marx“ auf dem Brückenberg ereignete.

Und auch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt sich wider:

Die Anfälligkeit von Menschen für politische Propaganda ist auch für Zwickau belegt. Im Oktober 1921 gründete die NSDAP eine Ortsgruppe in Zwickau – die erste Ortsgruppe außerhalb Bayerns.

Bereits 1933 wurde Schloss Osterstein zu einem KZ umfunktioniert. Dass Fremd- und Zwangsarbeit und der Einsatz von KZ-Insassen auch in unserer Stadt eine Rolle spielten, ist beispielsweise im August Horch Museum dokumentiert.

Und nur ein letzter Hinweis: 1933 hatte die „israelitische Religionsgemeinde“ ‑ oft auch als „Schocken-Gemeinde“ bezeichnet ‑ 473 Mitglieder. Es gab die Synagoge in der damaligen Burgstraße und den Betsaal in der Bahnhofstraße.

Was ist davon übrig?

Wir können und wollen ebenso wenig leugnen, dass die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrundes jahrelang in Zwickau wohnten.

Ich teile nicht die Auffassung, dass Zwickau „eine von Rechten dominierte Stadt“ ist, wie vor kurzem im Tagesspiegel stand. Das hieße ja, dass Sie und ich, der Stadtrat und die Bürgermeister alle Nazis wären oder dass wir uns von diesen bevormunden lassen, obwohl sich ja jeder von uns in und für Zwickau engagiert.

Manche Zeichen der Zeit geben mir allerdings zu denken, etwa wenn Rechtsextreme einigermaßen unverfroren auftreten, wenn sich verschiedene Strömungen und Gruppierungen vermischen oder gar vernetzen, wenn bei einer sogenannten Demonstration des III. Weges ‑ nach Augenzeugenberichten ‑ nicht nur Personen aus dem Umfeld stadtbekannter Störer teilgenommen haben sollen, sondern auch ein Mann, der derzeit in München vor Gericht steht.

Zu denken gibt mir auch die Kommunikationskultur. Nicht nur in den sozialen Medien fallen dann Ausdrücke, die man eher nicht zitiert.

Ja, Zwickau hatte und hat eben auch Kanten und Ecken.

Aber an diesen kann man arbeiten ‑ und muss es auch.

So gilt es weiterhin, allen extremen und extremistischen Tendenzen und Ansätzen entgegen zu treten. Dies ist primär ein politisches Gebot. Wichtig ist dies aber besonders für den Wirtschaftsstandort: Es werden zunehmend, so hoffe ich, Studenten aus dem Ausland an der Westsächsischen Hochschule studieren, es werden vermehrt Menschen aus anderen Staaten bei unseren Firmen arbeiten und sicher wird das VW-Werk, das künftige Kompetenzzentrum, vermehrt von Gästen aus anderen Ländern besucht, die hier vor Ort Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen möchten.

Es gibt aber noch eine Reihe anderer Aufgaben, die in naher Zukunft bevorstehen. Zu diesen gehört beispielsweise die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes. Der Stadtrat hat mit dem Beschluss des Handlungskonzeptes die Grundlage gelegt, die nun von Frau Hempel und ihrem Team mit Leben zu erfüllen ist.

Zu diesen gehört auch die Landesausstellung, mit der ja bereits 2020 der nächste Höhepunkt feststeht. Es gilt, den gastfreundlichen Rahmen zu schaffen und im Umfeld eigene Akzente zu setzen. Hier braucht es keinen voreiligen Aktionismus. Wir stehen mit den Ausstellungsmachern des Hygienemuseums in engem Kontakt.

Mit der Volkswagen Sachsen GmbH haben wir eine Kooperation vereinbart, in der es auch, aber nicht nur um die E-Mobilität geht. Sie ist Ausdruck des Bestrebens, den Weg in Richtung Zukunft gemeinsam zu gehen.

Wir ‑ Stadträte und Stadtverwaltung ‑ werden weiterhin ausloten müssen, einerseits Investitionen und soziale Leistungen auf dem bisherigen hohen Niveau zu sichern, ohne andererseits den städtischen Haushalt über die Maßen zu strapazieren.

Und so sehr uns die Herausforderungen von heute und morgen in Beschlag nehmen ‑ ich glaube wir sollten den Blick auch in die weitere Zukunft werfen. Bildlich gesprochen: Natürlich beschäftigt uns das Schlagloch vor der eigenen Grundstücksausfahrt. Aber sollten wir uns nicht auch überlegen, ob wir die Straße in 20 oder 30 Jahren wirklich noch benötigen und wenn ja, wie sie dann aussehen sollte?

Es gilt, die Zukunft ins Auge zu fassen, im Interesse der Stadt, unserer Kinder und der nachfolgenden Generationen.

Zwickau mit seiner einmaligen Geschichte und mit seiner lebendigen Gegenwart hat das Potential für viele weitere gute Entwicklungen.

Wie können wir derzeit am Gewandhaus lesen?

„Zwickau ‑ ein 900-jähriges Juwel“

Ja, unsere Stadt ist ein Juwel ‑ vielleicht ein Edelstein, der an manchen Stellen noch nicht geschliffen ist und der an anderen Enden noch nicht perfekt in Form gebracht wurde ‑ aber ein Juwel.

Sorgen wir dafür, dass dieses Juwel nicht zerbricht, sondern weiterhin noch schöner und in vielen Farbfacetten glänzt. Verstecken wir uns nicht, sondern seien wir stolz auf unser Zwickau!

Ich wünsche Ihnen ein schönes, spannendes und anregendes Festjahr!

Quelle: Stadt Zwickau

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