17. Neujahrsempfang der Stadt Zwickau – Rede der Oberbürgermeisterin – Auszeichnungen

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Topthema 2014: 100 Jahre Museum Zwickau

 Der Zwickauer Neujahrsemfang an einem Donnerstag – das hat sich im Vorjahr erstmalig bewährt und so findet das seit 1998 gemeinsam von der Stadt Zwi-ckau und der Stadtwerke Zwickau Holding GmbH veranstaltete Ereignis heute erneut an diesem Wochentag statt. Ab 17 Uhr werden rund 450 erwartete Gäste dabei sein, wenn der erste gesellschaftliche Höhepunkt der Automobil- und Robert-Schumann-Stadt im Jahr 2014 im festlichen Ambiente des Konzert- und Ballhauses „Neue Welt“ in der Leipziger Straße 182 beginnt.

Neben den Zwickauer Ehrenbürgern Erwin Killat, Alt-OB Rainer Eichhorn und Jürgen Croy haben sich weitere Gäste angesagt. Aus Wolfsburg reisen Oberbürgermeister Klaus Mohrs und der erste Stadtrat Werner Borcherding an. Sie wollen eine Spende übergeben, die für den Neustart des vom Hochwasser betroffenen Hortes Brückenstraße bestimmt ist. Zwickaus Partnerstadt Dortmund wird durch die 1. Stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Jörder vertreten. Die weiteste Anreise hatte Alt-OB Dietmar Vettermann nebst seiner Ehefrau Birgit, den es zu wichtigen Terminen wie diesen von seinem jetzigen Wohnort auf der dänischen Insel Ærø direkt nach Zwickau zieht.

Einer guten Tradition folgend steht der offizielle Zwickauer Jahresauftakt unter einem Motto, das von einem besonderen Ereignis bestimmt wird: „König-Albert-Museum, Städtisches Museum, Kunstsammlungen, Max-Pechstein-Museum – 100 Jahre Museum Zwickau“.

Wenngleich der eigentliche 100. „Geburts“-Tag der heutigen KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum in der Lessingstraße 1 erst am 23. April 2014 ist, lenken die Zwickauer ihren Fokus gleich zu Jahresbeginn auf das Ereignis und stimmen sich schrittweise auf dieses schöne Jubiläum ein. Vom 7. März bis 4. Mai ist dann eine Ausstellung geplant, die auf ein interessiertes Publikum aus Nah und Fern zielt: „100 Jahre Museum in der Lessingstraße. Vom König-Albert-Museum bis zu den Kunstsammlungen“.

Mit seinem einzigartigen Schwerpunkt zum Schaffen Pechsteins hat sich das Museum heute zu einer modernen Kunstsammlung profiliert, wie auch die Erwerbungen der letzten Jahre bezeugen. Nicht zuletzt wurde die Aufmerksamkeit auf die imposante, derzeit im Umbau befindliche Stätte durch den zufälligen spektakulären Münchner Kunstfund gelenkt. Hildebrandt Gurlitt, Vater des Schlagzeilen produzierenden Kunstsammlers Cornelius Gurlitt, war von 1925 bis 1930 Leiter des einstigen König-Albert-Museums. Er baute in jener Zeit eine umfangreiche Sammlung mit Werken zeitgenössischer Maler auf und organisierte eine Vielzahl von Ausstellungen mit Arbeiten von Max Pechstein, Käthe Kollwitz oder Ernst Barlach. Zwar wurde ein wesentlicher Teil der Sammlungen von den Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ abgestempelt und aussortiert, doch bilden Gurlitts Erwerbungen noch immer das Fundament der Sammlung.

Vor der Begrüßungsrede des Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke Holding Rainer Dietrich sehen die Gäste einem Kurzfilm, der das Thema des Neujahrsempfangs bedient. Er bringt ihnen die 100-jährige Geschichte des Zwickauer Museums nahe. Neben Innen- und Außenaufnahmen des vom Architekten Richard Schiffner von 1912 bis 1914 errichteten Gebäudes und dem Blick auf Dokumente zur Museums- und Ausstellungsgeschichte dürften besonders historische Filmaufnahmen von Max Pechstein während der Jurysitzung zum Max-Pechstein-Preis 1947 das Publikum in den Bann ziehen. Im Foyer wird zum Thema des Abends eine kleine Ausstellung gezeigt.

Besonders erfreulich: Alexander Pechstein nebst Gattin Rosemarie wird im Publikum sitzen. Der östlich von Kiel lebende Enkel Max Pechsteins ist selbst ausgebildeter Grafiker, schuf Zeichentrickfilme, war im Bereich Marketing tätig und ist Gründer des Pechstein-Verlags. Der Nachlass seines in Zwickau geborenen Großvaters, des Malers und Grafikers Hermann Max Pechstein (1881 bis 1955), über den er auch einen Film gedreht hat, ist bei ihm in guten Händen. Zur Freude der kunstbegeisterten Zwickauer hat er gemeinsam mit seiner Cousine und Pechstein-Enkelin Julia Pechstein dafür gesorgt, dass kleine und große Zwickauer vom Februar bis Mai 2013 drei Monate lang auf lebendige und begeisternde Art Gelegenheit hatten, sich mit dem Schaffen des Expressionisten und „Brücke“-Künstlers auseinander zu setzen. An der Ausstellung „Max Pechstein auf Reisen. Utopie und Wirklichkeit“ hatten Max Pechsteins Enkel maßgeblichen Anteil, ebenso daran, dass die Kunstsammlungen Zwickau jetzt den Namen „Max-Pechstein-Museum“ tragen.

Die Neujahrsrede der Oberbürgermeisterin ist von einer positiven Grundstimmung getragen. Sie beginnt jedoch mit der schwierigen Finanzsituation im Jahr 2004, die geprägt war von sinkenden Einnahmen, steigenden Ausgaben, damit verbundener Stagnation und Haushaltsperre. Gerade dieser Blick zurück macht deutlich, wie viel Positives sich seither getan hat. Das geschah vor allem durch vorwärtsweisende Entscheidungen des Bundes wie das Konjunkturpaket II, das Investitionen von rund 20 Millionen Euro ermöglichte und durch erfreulich gestiegene Gewerbesteuereinnahmen: 2003 flossen rund 20 Mio. Euro in den städtischen Haushalt, 2012 waren es rund 85 Mio. und 2013 mehr als 68 Mio., die dem Engagement der hier ansässigen Unternehmen und Mitarbeiter zu verdanken sind. Zudem hat der Stadtrat wegweisende und verantwortungsbewusste Entscheidungen getroffen, wie z.B. den Beschluss zum Verkauf eines Teils des Immobilienbesitzes der GGZ, der für Schuldentilgung und Investitionen klug genutzt wurde.

Auf dem zielgerichteten Weg, Zwickau immer weiter zu einer lebens- und liebenswerten Stadt zu gestalten, gibt es Rückschläge – das verschweigt das Stadtoberhaupt keinesfalls: „Beispielsweise bedauere ich, dass – obwohl wir ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert wurden – unser Verwaltungszentrum nicht Standort des Jobcenters wird. Dies hätte uns in die Lage versetzt, Ämter und Büros der Stadtverwaltung in der Innenstadt etablieren zu können – das ehemalige Schocken-Kaufhaus, das auf den Stadtentwicklungsprojekten ganz weit oben steht, wäre hierfür eine gute Wahl gewesen … Ebenso schmerzt mich die Schließung des Kaufhauses Joh! Wir waren mit dem Investor schon so weit gewesen und dann scheiterte das ganze Projekt letztlich an überzogenen Forderungen des Immobilieneigentümers. Und natürlich gab es auch 2013 Ereignisse, die mich berührten und bewegten. Ärgerlich sind <…> die gravierenden Baumängel am Konservatorium. Und mich bewegt natürlich die Debatte um die neue JVA. Es ist bedauerlich, wenn aus fragender Kritik, die legitim ist, persönliche Angriffe werden und man bei manchen Personen über die Motive sehr zweifeln kann.“

Rückschläge und Debatten sind kein Grund zur Entmutigung, macht die Oberbürgermeisterin deutlich und verweist auf die Chancen, die Projekte wie der Gefängnisneubau bieten: „… Dass das neue Großgefängnis in Zwickau gebaut wird, ist <…> auch der Geduld und der Konsequenz von Stadtrat und Verwaltung zu verdanken. Nicht das kurzsichtige Streben nach öffentlicher Anerkennung, sondern das strategische Interesse an der Entwicklung unserer Stadt als Behördenstandort war ausschlaggebend. Es ist gelungen, eine 150 Millionen-Investition nach Zwickau zu bekommen, die Arbeitsplätze bringt, das Oberzentrum stärkt und eine alte Brache einer sinnvollen Nutzung zuführt.“

Manches großes Vorhaben erfordert Mut und Vision – für diese Erkenntnis hat die erste Frau der Stadt ein schönes Beispiel, das ihr das Thema des diesjährigen Neujahrsempfangs liefert: „Für viele – ich gehöre dazu – war es ein Traum, ein Max-Pechstein-Museum in Zwickau zu schaffen. Und wie es bei einem Traum ist: Vor fünf Jahren waren wir nicht sicher, ob und wie wir dies realisieren. <…> Wenn wir, mit dem Ende der Umbauarbeiten, dieses Museum in den Kunstsammlungen eröffnen können, so eröffnen wir nicht nur ein ‚Pechstein-Museum Light‘. Nein, wir erweisen anlässlich des 100. Geburtstages des Museums dem Sohn unserer Stadt die ihm gebührende Ehre, wir präsentieren dann die weltweit umfangreichste Dauerausstellung mit Werken Max Pechsteins. Damit können wir ein weiteres Alleinstellungsmerkmal vorweisen …“

Zwickau steht vor einem „Superwahljahr“ 2014. Denn neben der Europawahl, den Wahlen zum Landtag und zum Kreistag steht auch die Wahl zum Zwickauer Stadtrat an. Für Gegenwart und Zukunft wünscht sich das Stadtoberhaupt Kontinuität und ein produktives Miteinander, das in vernünftigen Entscheidungen mündet. Für Politikverdrossenheit sieht die Zwickauer Oberbürgermeisterin keinen Anlass, hat vielmehr einen weiteren Wunsch: „Unser Bündnis für Demokratie und Toleranz, dem ich für sein Engagement herzlich danke, hatte für 2013 das Motto ‚Misch mit!‘ gewählt! Dieses Motto sollte uns weiterhin begleiten!“ Sie ermuntert die Zwickauerinnen und Zwickauer, sich konstruktiv einzumischen und sich aktiv am Geschehen der Stadt Zwickau zu beteiligen. „Nehmen Sie ihr Wahlrecht wahr, bleiben Sie neugierig, seien Sie offen und engagieren Sie sich in Unternehmen, in Vereinen und Verbänden, in der Politik und im Alltag. ‚Misch mit‘ ist keine ‚Mission impossible‘, jeder kann das – der eine weniger, der andere mehr. Mitmischen ist auch etwas anderes als Aufmischen! Es meint ein MITeinander, zu dem immer auch gehört, den anderen zu respektieren.“

Auch nach der Rede gehört der Oberbürgermeisterin noch einmal die Bühne. Es steht eine Auszeichnung an, die sportliches Engagement in den Mittelpunkt rückt. Das ist ein Bereich, in dem die studierte Diplomsportlehrerin, deren Leben selbst von vielfältiger sportlicher Aktivität geprägt ist, sehr gut mitreden kann. In diesem Jahr erhält ein Zwickauer Verein, der sich um das aktive, sprich sportliche Zwickau verdient gemacht hat, die Martin-Römer-Ehrenmedaille: der ESV Lokomotive Zwickau e.V. Das ist mit Abstand die mitgliederstärkste Gemeinschaft im Kreissportbund Zwickau e.V. und zudem der zehntgrößte Verein im Land Sachsen. Breitensport, vor allem aber auch Kinder- und Jugendsport wird hier großgeschrieben. Diese vielseitige und im Umkreis leistungsstärkste Sportgemeinschaft betreibt außerdem in mehreren Abteilungen im Erwachsenen-, Kinder- und Jugendbereich Leistungssport. Mit schönen Folgen: Aus dem Verein gingen
Europa- und Weltmeister, Olympiamedaillengewinner, Weltcupsieger, Deutsche Meister, Landesmeister sowie Ostdeutsche Meister hervor.

Das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau gestaltet den musikalischen Part. Den Auftakt gibt ein Werk Robert Schumanns, die 3. Sinfonie Es-Dur, op. 97 – 1. Satz. Im Verlauf der Festveranstaltung sind zudem Carmen-Orchestervorspiele und nach Ende der Auszeichnungen Antonín Dvorak – Slawischer Tanz C-Dur, op. 46 Nr. 1 zu hören. Ganz am Ende des offiziellen Teils erhält das Orchester eine vielstimmige Unterstützung durch die Gäste des Neujahrsempfangs 2014, wenn es zum Abschluss  den unverzichtbaren „Steigermarsch“ anstimmt.

Die Organisation des Neujahrsempfangs übernahmen erneut in bewährter Weise die Stadt Zwickau und die Stadtwerke Zwickau Holding GmbH. Unterstützt wurden sie dabei von der Zwickauer Energieversorgung GmbH, der Zwickauer Umweltdienste GmbH & Co. KG, der Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau GmbH, der Wasserwerke Zwickau GmbH und der Gebäude- und Grundstücksgesellschaft mbH. Azubis der Stadtverwaltung und der ZEV kümmern sich als Servicekräfte um die Besucher des Neujahrsempfangs. Die Sparkasse Zwickau und die Mauritius Brauerei Zwickau GmbH unterstützten die Veranstaltung erneut als Hauptsponsoren.

Verleihung der Martin-Römer-Ehrenmedaille

Gemäß § 1 der Satzung über Ehrungen und Auszeichnungen der Stadt Zwickau vom 12.04.2007 kann die Stadt Zwickau zur Ehrung oder Auszeichnung von Personen, die sich um die Stadt Zwickau und das Wohl ihrer Bürger verdient gemacht haben das Ehrenbürgerrecht, die Stephan-Roth-Bürgermedaille und die Martin-Römer-Ehrenmedaille verleihen. Die Martin-Römer-Ehrenmedaille kann dabei an Personen sowie Vereine, Gruppen, Organisationen und Institutionen verliehen werden, die sich durch erfolgreiches Wirken und Eintreten für das Wohl oder Ansehen von Stadt und Bürgerschaft besondere Verdienste erworben haben und aus diesem Grund öffentlich ausgezeichnet werden sollen.

Entsprechend der eingereichten Vorschläge und der in der Satzung über Ehrungen und Auszeichnungen vorgesehenen Beratung im Ältestenrat wird mit der Martin-Römer-Ehrenmedaille geehrt:

ESV Lokomotive Zwickau e. V.

Der ESV Lokomotive Zwickau e. V. ist mit Abstand die mitgliederstärkste Gemeinschaft im Kreissportbund Zwickau e. V. und im Land Sachsen der zehntgrößte Verein. Traditionell ist in allen Abteilungen des Vereins Kinder- und Jugendarbeit möglich. Am 11. März 2012 feierte der Marienthaler Verein sein 66-jähriges Vereinsjubiläum.

Der ESV Lokomotive Zwickau e. V. fühlt sich besonders dem Kinder- und Jugendsport verbunden. Doch auch der Bereich der Erwachsenensportler kommt nicht zu kurz. In mehr als 20 Frauen- oder Männersportgruppen verteilt über das gesamte Stadtgebiet ist einmal pro Woche freundbetontes Sporttreiben möglich.

Erwähnenswert ist zudem die Tatsache, dass der ESV Lokomotive Zwickau e. V. sowohl im Erwachsenen- als auch im Kinder- und Jugendbereich in mehreren Abteilungen Leistungssport betreibt. In all den Jahrzehnten des Bestehens entwickelte er sich auch deshalb zu einer der vielseitigsten und leistungsstärksten Sportgemeinschaft im näheren und weiteren Umkreis. Aus dem Verein gingen Europameister, Weltmeister, Olympiamedaillengewinner, Weltcupsieger und natürlich auch Deutsche Meister, Landesmeister sowie Ostdeutsche Meister hervor.

Geführt wird der Verein seit Jahrzehnten von einem ehrenamtlichen 14-köpfigen Vorstand, der regelmäßig tagt. Somit ist der Verein ein wesentlicher Bestandteil gelebter Demokratie in der Mitte unserer Gesellschaft.

Zusatzinformationen zum Thema des Neujahrsempfangs:

„König-Albert-Museum, Städtisches Museum, Kunstsammlungen,
Max-Pechstein-Museum – 100 Jahre Museum Zwickau“.

Das von dem Architekten Richard Schiffner zwischen 1912 und 1914 errichtete Gebäude beherbergte die Sammlungen des 1857 gegründeten Altertumsvereins, die mineralogisch-geologische Sammlung, die der Grubenbeamte Ernst Julius Richter 1868 der Stadt Zwickau stiftete, die bedeutenden Bestände der Ratsschulbibliothek, die Schumann-Sammlung (seit 1956 im Robert-Schumann-Haus) und eine städtische Gemäldesammlung. Seit 1921 ist hier auch das Stadtarchiv untergebracht. Die Einheit von Museums- und Bibliotheksbau hat sich bis heute erhalten. Seit dem Auszug der stadt- und kulturgeschichtlichen Sammlungen in die Priesterhäuser (2003) konnten die wertvollen Kunstbestände vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart umfänglicher präsentiert werden. Mittlerweile hat sich das Museum mit seinem einzigartigen Schwerpunkt zum Schaffen Pechsteins zu einer modernen Kunstsammlung profiliert, wie auch die Erwerbungen und Ausstellungen der letzten Jahre bezeugen.

Neujahrsempfang 2014

9. Januar 2014

Rede von Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß

Sehr geehrte Damen und Herren,

verehrte Gäste,

 „Gerade die Finanzsituation bereitet uns größere Sorgen als jemals zuvor. Wie fast alle Städte in Deutschland leidet Zwickau unter sinkenden Einnahmen bei gleichbleibenden oder sogar leicht steigenden Ausgaben. Es erscheint derzeit fast unmöglich, den Haushalt <…> ausgeglichen zu gestalten. Wichtige Projekte, die unsere Stadt weiter voranbringen könnten, müssen damit aufgeschoben werden, weitere Einschnitte, die Sie und wir alle zu spüren bekommen, sind unvermeidbar.“

 Meine Damen und Herren,

reiben Sie sich nicht verwundert die Augen!

Mit den eben zitierten Worten begrüßte mein Amtsvorgänger – ich freue mich sehr, dass Du mit Deiner Frau aus Dänemark zu uns gekommen bist – vor ziemlich genau zehn Jahren im Pulsschlag das damals neue Jahr 2004.

Und er konnte nicht anders: Es war die Zeit, in der Ampeln und Straßenbeleuchtungen abgeschaltet wurden, in der rund 1.500 Mitarbeiter der Verwaltung zehn Prozent weniger arbeiteten, aber auch zehn Prozent
weniger verdienten, und in der der Haushalt 2004 am 16. Dezember 2004 beschlossen wurde, um nur fünf Tage später vom Regierungspräsidium als unrechtmäßig beanstandet zu werden. In derselben Sitzung beschloss der Stadtrat ein Konsolidierungsziel von 170 Mio. Euro.

Sie können sich vorstellen, wie viel, nein, wie wenig sich in einer Stadt bewegt, die ein Jahr lang keinen Haushalt hat.

Es war eine Zeit, in der sich viele vielleicht nicht nur einmischten, sondern viele, den zeitlichen Umständen geschuldet, die Stadt „aufmischten“…

 Wie sich die Lage doch geändert hat!

Sicher, Zwickau hatte Glück! Wir hatten Glück, da es Einflüsse gibt, die wir kaum oder gar nicht beeinflussen können, wie etwa die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Sicher profitierten wir auch von manchen Entscheidungen des Bundes und des Landes – denken Sie nur an das Konjunkturpaket II, dessen Möglichkeiten wir nutzten und das letztlich zu Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro führte.

Und sicher: Wir profitierten und profitieren auch vom Engagement der Unternehmer und Mitarbeiter. Als Indiz können die Gewerbesteuereinnahmen gelten: 2003 flossen rund 20 Millionen Euro in den städtischen Haushalt. 2012 waren es rund 85 Millionen und 2013 mehr als 68 Millionen. Damit haben Sie, verehrte Unternehmer, auch einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung und für ein lebens- und liebenswertes Zwickau geleistet. DANKE!

 Aber: Auch in Stadtverwaltung und Stadtrat wurden – bereits in der alten Legislaturperiode und vor meiner Amtszeit als Oberbürgermeisterin – wegweisende Entscheidungen vorbereitet und getroffen. Die wichtigste war sicher – Sie wissen das – der Beschluss zum Verkauf eines Teils des Immobilienbesitzes unserer GGZ. Dieser in mehrfacher Hinsicht sehr verantwortungsvoll gefasste Beschluss brachte nicht nur ca. 90 Millionen Euro in die Kassen. Zielgerichtet setzten Stadtrat und Verwaltung diese Summe insbesondere für die Tilgung von Schulden und für Investitionen ein.

 Diese und weitere Entwicklungen bildeten sowohl den Rahmen als auch die Grundlage für die Arbeit in den letzten fünf Jahren, und ich denke, dass die Möglichkeiten gut genutzt wurden!

 Meine Damen und Herren,

ich bin weit davon entfernt, eine persönliche Bilanz zu ziehen. Das muss ich nicht und das will ich nicht.

Ebenso wenig verhehle ich, dass es seit 2008 bis heute Rückschläge gab und dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gingen.

Beispielsweise bedauere ich, dass  – obwohl wir ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert wurden – unser Verwaltungszentrum nicht Standort des Jobcenters wird. Dies hätte uns in die Lage versetzt, Ämter und Büros der Stadtverwaltung in der Innenstadt etablieren zu können – das ehemalige Schocken-Kaufhaus, das auf den Stadtentwicklungsprojekten ganz weit oben steht, wäre hierfür eine gute Wahl gewesen…

Ebenso schmerzt mich die Schließung des Kaufhauses Joh!  Wir waren mit dem Investor schon so weit gewesen und dann scheiterte das ganze Projekt letztlich an überzogenen Forderungen des Immobilieneigentümers.

Und natürlich gab es auch 2013 Ereignisse, die mich berührten und bewegten.

Ärgerlich sind beispielsweise die gravierenden Baumängel am Konservatorium.

Und mich bewegt natürlich die Debatte um die neue JVA. Es ist bedauerlich, wenn aus fragender Kritik, die legitim ist, persönliche Angriffe werden und man bei manchen Personen über die Motive sehr zweifeln kann.

 Liebe Gäste,

von solchen Rückschlägen und Debatten darf man sich nicht entmutigen lassen. Dass das neue Großgefängnis in Zwickau gebaut wird, ist beispielweise auch der Geduld und der Konsequenz von Stadtrat und Verwaltung zu verdanken. Nicht das kurzsichtige Streben nach öffentlicher Anerkennung, sondern das strategische Interesse an der Entwicklung unserer Stadt als Behördenstandort waren ausschlaggebend. Es ist gelungen, eine 150 Millionen-Investition nach Zwickau zu bekommen, die Arbeitsplätze bringt, das Oberzentrum stärkt und eine alte Brache einer sinnvollen Nutzung zuführt.

Oder nehmen Sie ein anderes Beispiel: Für viele – ich gehöre dazu – war es ein Traum, ein Max-Pechstein-Museum in Zwickau zu schaffen. Und wie es bei einem Traum ist: Vor fünf Jahren waren wir nicht sicher, ob und wie wir dies realisieren. Sollten wir einen eigenen Bau favorisieren, was den derzeitigen Museumstandort schwächen würde, oder sollte man an oder in den Kunstsammlungen diese Möglichkeit schaffen? Und woher sollte man die erforderlichen finanziellen Mittel nehmen?

Zum Glück warf hier keiner der Beteiligten die Flinte ins Korn. Gemeinsam hielten wir an diesem Ziel fest, ein Museum für den in Zwickau geborenen Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ zu schaffen. Und wenn ich „gemeinsam“ sage, so hat das Max-Pechstein-Museum viele Väter und Mütter, beispielsweise Fördermittelgeber, private Sponsoren und nicht zuletzt die Erbengemeinschaft, die uns mit Rat und Tat und nicht zuletzt mit Leihgaben nachhaltig unterstützt.

 Wenn wir, mit dem Ende der Umbauarbeiten, dieses Museum in den Kunstsammlungen eröffnen können, so eröffnen wir nicht nur ein „Pechstein-Museum Light“. Nein, wir erweisen anlässlich des 100. Geburtstages des Museums dem Sohn unserer Stadt die ihm gebührende Ehre, wir präsentieren dann die weltweit umfangreichste Dauerausstellung mit Werken Max Pechsteins. Damit können wir ein weiteres Alleinstellungsmerkmal vorweisen – nach und mit dem August Horch Museum, dem einzigen kraftfahrzeugtechnischen Museum Deutschlands, das seinen Sitz an einer früheren Fertigungsstätte hat, dem Robert-Schumann-Haus, mit der weltweit größten Sammlung an Originalhandschriften von Clara und Robert Schumann, der Ratsschulbibliothek, der ältesten sowohl öffentlichen als auch wissenschaftlichen Bibliothek Sachsens, oder den Priesterhäusern, die zu den ältesten erhaltenen Wohnhausensembles in Deutschland gehören.

Nicht schlecht für eine Kreisstadt, oder?

 Das Max Pechstein Museum gehört zu den vielen guten und bemerkenswerten Entwicklungen der letzten Jahre.

Und davon gab es viele!

Denken Sie etwa an die Sanierung des Schlosses Osterstein oder an den
B 93-Tunnel mit dem Muldeparadies. Erinnern Sie sich an die Sanierung von Goldnem Anker, Dünnebierhaus und Rathaus.

Denken Sie an die soziale Leistungen, die in dieser Kombination deutschlandweit ihresgleichen suchen und die dazu beitragen, dass Zwickau wirklich lebenswert ist: an das Begrüßungsgeld für Neugeborene, an das kostenlose Mittagessen für Kinder aus sozial schwachen Familien sowie für Kinder von Studenten, Berufs- und Fachschülern, an den freien Eintritt in unsere städtischen Museen oder die Erstattung des Elternbeitrages für die Schülerbeförderung.

Und vergessen Sie nicht die Investitionen in Kitas und Schulen: Wussten Sie eigentlich, dass seit 2008 fast 50 Millionen Euro in Schulen investiert wurden?

 Auch 2013 konnten wir viele Projekte umsetzen, wie beispielsweise den neuen Hort in Pölbitz, die Sanierung des Clara-Wieck-Gymnasiums, die Sanierung des Westsachsenstadions oder die Eröffnung der Glück Auf Schwimmhalle.

Profitiert haben wir – wie so oft – auch von privatem Engagement. Die Stadtmission baut eine neue Kita am „Grünen Hof“ und investiert weiter in die Lukaswerkstatt, dank der WeWoBau erlebten wir die Sanierung der „Alten Münze“ am Hauptmarkt 6, der CVJM richtete seine schöne Villa in der Walter-Rathenau-Straße her und die Sanierung der ehemaligen Knopffabrik zu einem schmucken Wohn- und Geschäftshaus ist ebenso erstaunlich.

 Dankbar sind wir für die Investitionen etwa von Ilkazell, Weck & Poller

oder Johnson Controls. Und dass in Mosel der Golf Variant hergestellt wird, ist nicht nur ein weiterer Beleg des Bekenntnisses von Volkswagen zu Sachsen und Zwickau. Dass erstmals ein drittes Modell in Zwickau gefertigt wird und weltweit nur in unserer Stadt, ist auch Ausdruck der Kompetenz und des Engagements der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH und bedeutet Standortmarketing: Ich habe etliche Berichte zu dem neuen Golf Variant gelesen, in denen Zwickau ausdrücklich erwähnt wurde. Und nur nebenbei: Dass es sich um ein tolles Auto handelt, davon überzeuge ich mich täglich!

2014 werden wir – ohne dem Haushaltsbeschluss des Stadtrates vorgreifen zu wollen – diesen Weg fortsetzen: Die Sanierung der Nicolaischule wird abgeschlossen und die der Scheffelbergschule wird zielgerichtet fortgeführt, wir bauen einen neuen Hort für die Nicolaischule, wollen mit dem Ersatzneubau für den Hort Brückenplatz beginnen und die neue Kita in Schedewitz – durch unsere BFZ errichtet und betrieben – wird fertig. Die Baumaßnahmen im Gewerbegebiet in der Reichenbacher Straße sollen fortgeführt, der Industriebrache „Aktivist“ soll zu Leibe gerückt, und der Ausbau der Breitbandversorgung soll vorangebracht werden. Weiter geht auch die Erweiterung des August Horch Museums und selbst im Bereich der Straßen und Plätze ist einiges vorgesehen. Und unser Tiefbauamt steht förmlich schon in den Startlöchern, um den Neumarkt zu sanieren oder um sich beispielsweise mit der Thurmer, der Schneppendorfer, der Werdauer oder der Walther-Rathenau-Straße, dem Kreisverkehr in der Lengenfelder Straße und der Kreuzung Äußere Dresdner Straße/Lerchenweg zu beschäftigen.

Ein Höhepunkt des Jahres wird die Eröffnung des Kornhauses als Stadtbibliothek sein. Merken Sie sich schon einmal den 14. September vor. Überzeugen Sie sich dann selbst, wie aus einem vernachlässigten Denkmal ein eindrucksvolles Schmuckstück und wie aus einem Korn- ein Wissenspeicher wurde.

 Meine Damen und Herren,

diese Entwicklung der letzten Jahre sollten wir auch im Auge behalten, wenn wir im kommenden Jahr wählen. Uns steht ja sozusagen ein Superwahljahr bevor, indem wir entscheiden dürfen, wer Zwickau in Dresden und im Kreistag vertritt und wer die Entscheidungen im Stadtrat fällt.

Ich kann, will und darf keine Wahlempfehlung geben! Aber ich glaube, es ist legitim, sich Kontinuität in der Arbeitsweise zu wünschen. Die Projekte, die in und für Zwickau umgesetzt werden konnten, sind auch der Zusammenarbeit im Stadtrat und zwischen Verwaltung und Politik zu verdanken. In der Sache streiten wir uns – das gehört dazu. Aber wir suchen gemeinsam nach guten Lösungen und treffen dann vernünftige Entscheidungen!

Ich hoffe sehr, dass die Wähler daran denken, dass sie nicht nur darauf schauen, ob eine Partei oder Gruppierung GEGEN etwas ist oder sich kurzfristig eine Initiative zu eigen macht, sondern dass in der Wahlkabine auch eine bewusste Entscheidung für einen Kandidaten, eine Kandidatin und eine Gruppierung getroffen wird, die das Beste für die Stadt und das Land will. Für Politikverdrossenheit gibt es in unserer Stadt keinen Anlass!

 Und ich habe noch einen zweiten Wunsch: Unser Bündnis für Demokratie und Toleranz, dem ich für sein Engagement herzlich danke, hatte für 2013 das Motto „Misch mit!“ gewählt!

Dieses Motto sollte uns weiterhin begleiten!

Ich ermuntere Sie und die Zwickauerinnen und Zwickauer, sich konstruktiv einzumischen und sich aktiv am Geschehen in unserer Stadt zu beteiligen. Nehmen Sie ihr Wahlrecht wahr, bleiben Sie neugierig, seien Sie offen und engagieren Sie sich in Unternehmen, in Vereinen und Verbänden, in der Politik und im Alltag.

„Misch mit“ ist keine „Mission impossible“, jeder kann das – der eine weniger, der andere mehr.

Mitmischen ist auch etwas anderes als Aufmischen! Es meint ein
MITeinander, zu dem immer auch gehört, den anderen zu respektieren.

 Wie sagte ein römischer Philosoph und Staatsmann:

„Die menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzen müsste, wenn sich nicht die einzelnen Steine gegenseitig stützen würden.“

 Ihnen allen aber danke ich: Denn wenn ich mich hier im Saal umsehe:

Jeder von Ihnen hat sich im vergangenen Jahr in unserer Stadt engagiert – an unterschiedlichen Stellen und auf unterschiedliche Weise.

Machen Sie weiter, mischen Sie weiterhin mit in Zwickau und für unsere Zwickauerinnen und Zwickauer!



Ehrungen und Auszeichnungen

 

 

 

Ehrenbürger der Stadt Zwickau

 

} Jürgen Croy (geb. 1946)

Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 26.08.1976

} Prof. Dr. Carl H. Hahn (geb. 1926)

Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 09.01.1998

} Dr. Ferdinand Piëch (geb. 1937)

Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 08.01.1999

} Günter Mieth (geb. 1929)

Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 07.01.2000

} Erwin Killat (geb. 1933)

Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 11.01.2002

} Rainer Eichhorn (geb. 1950)

Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 10.01.2003

 

 

Träger Stephan-Roth-Bürgermedaille

 

} Dr. Klaus Reinhold (geb. 1948, gest. 2003)

Verleihung am 09.01.2004 (postum)

} Monika Dressel (geb. 1942)

Verleihung am 12.01.2007

} Martina Ahnert-Ehrt (geb. 1953)

Verleihung am 07.01.2011

} Dr. Claus-Steffen Reitzenstein (geb. 1942)

Verleihung am 07.01.2011

} Roland Zeh (geb. 1941)

Verleihung am 07.01.2011

 

 

Träger Martin-Römer-Ehrenmedaille

 

} Volker Oehler (geb. 1972)

Verleihung am 09.01.1998  

} Dr. Wolfgang Böttger (geb. 1925)

Verleihung am 11.01.2002

} Ernst Günter Haubold (geb. 1941)

Verleihung am 11.01.2002

} Klaus Hertel (geb. 1936)

Verleihung am 11.01.2002


} Robert Mehringer (geb. 1928)

Verleihung am 11.01.2002

} Gisela Meierkord (geb. 1929)

Verleihung am 11.01.2002

} Prof. Dr.-Ing. habil. Horst-Dieter Tietz (geb. 1937)

Verleihung am 10.01.2003

} Wolfgang Weber (geb. 1938)

Verleihung am 10.01.2003

} Jürgen Pönisch (geb. 1949)

Verleihung am 09.01.2004

} Lothar Reißmann (geb. 1931)

Verleihung am 13.01.2006

} Gottfried Heinemann (geb. 1934)

Verleihung am 12.01.2007

} Eberhard Seifert (geb. 1937)

Verleihung am 12.01.2007

} Günter Weigel (geb. 1933)

Verleihung am 12.01.2007

} Dr. Werner Lang (geb. 1922, gest. 2013)

Verleihung am 11.01.2008

} Dr. Gerd Nauhaus (geb. 1942)

Verleihung am 11.01.2008

} Projekt Zwickauer Tafel

Verleihung am 11.01.2008

} Siegfried Wagner (geb. 1939)

Verleihung am 09.01.2009

} Prof. Dr. Jürgen Härdler (geb. 1943)

Verleihung am 07.01.2011

} Jo Harbort (geb. 1951)

Verleihung am 07.01.2011

} Erzgebirgszweigverein Zwickau e.V.

Verleihung am 07.01.2011

} TSV Fliegende Sachsen e.V.

Verleihung am 07.01.2011

} Prof. Jürgen Golle (geb. 1942)

Verleihung am 10.01.2013

} Prof. e.H. Dr. oec. habil. Dr. Joachim Körner (geb. 1949)

Verleihung am 10.01.2013

} ESV Lokomotive Zwickau e.V.

Verleihung am 09.01.2014

Quelle: Stadt Zwickau / Bilder: Hit-TV.eu






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