Wie ein Buch mit sieben Siegeln.

Chemnitzer Polizei machte mutmaßlichen Dieb dingfest.

23 Umzugskartons voll Wissen für rund 50.000 Euro gestohlen

Ein geringer Teil der Bücher1(Ki) Noch ist er für die Ermittler des Polizeireviers Chemnitz-Nordost wie ein Buch mit sieben Siegeln – ein 34 Jahre alter Chemnitzer. Der Mann soll insgesamt 560 Bücher und 235 CDs aus Bibliotheken gestohlen haben. Dazu zählen die der Stadt und der Technischen Universität Chemnitz sowie der Oxford

University. Die „gesammelten Werke“ haben einen geschätzten Wert von um die 50.000 Euro.

Ein geringer Teil der Bücher2Das erste Kapitel begann Anfang August 2013: In der Chemnitzer Stadtbücherei war aufgefallen, dass seit Ende 2012 mehr als ein Dutzend Bücher und über 70 CDs abhanden gekommen sind. Argwöhnisch beäugte man einen Kunden, der fast jeden zweiten Tag kam und der vielfach der letzte Ausleiher der nun fehlenden Exemplare war. Der Verdacht verstärkte sich,

Nun begann das Kapitel der polizeilichen Arbeit. Mit dem Fall gingen die Chemnitzer Ermittler zur Staatsanwaltschaft. Dort folgte man dem Verdacht und beantragte beim Amtsgericht Chemnitz einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Verdächtigen. Dem folgte der Ermittlungsrichter und so klingelten die Beamten an einem Morgen Anfang November an der Wohnungstür des 34-jährigen Chemnitzers.



Ein Teil der Umzugskisten mit DiebesgutDie dreistündige Durchsuchung war ein Kapitel für sich und Schwerarbeit für die vier Beamten. Am Ende hatten sie 23 Umzugskartons voll mit Büchern, Partituren und Tonträgern gepackt und damit geschätzte 700 Kilogramm Wissen verladen und abtransportiert, um es kurz darauf im Revier wieder auszuladen, zu sichten und zu listen. Es waren nicht nur Bücher der Stadtbibliothek dabei, sondern auch Bibliotheksliteratur der TU Chemnitz und der Oxford University Library. Da gibt es das 13bändige „Neue Handbuch der Musikwissenschaft“ von Laaber und én masse Wörter- bzw. Lehrbücher z.B. für Mandschu, Georgisch, Sanskrit, Baskisch, Dari und Swahili sowie Amharisch und Zigeunersprache. Auch „Mathematik im mittelalterlichen Islam“ und die „Geschichte der russischen und sowjetischen Musik“ hatten offenbar das Interesse des ehemaligen Studenten geweckt. Gefunden wurden Tonträger mit Musik von B wie Bruckner, über N wie Norgard bis X wie Xenakis. Auch eine Schubert-Edition „The Complete Songs 1-40“ war dabei.als man Ende Juli beobachtete, wie dieser Mann bei einem Besuch der Bücherei einige CDs mit aus der Bibliothek nahm, ohne dass die Sicherungsanlage am Ausgang anschlug. Zur Rede gestellt, habe der      34-Jährige mit Ausflüchten geantwortet und die Bibliothek verlassen. Daraufhin erstattete die Stadtbibliothek Chemnitz Anzeige.

In seiner Vernehmung ließ sich der 34-jährige ehemalige Student nur zögerlich auf sein Handeln ein. Wie er es angestellt hat, in den Besitz der Werke aus den Universitäten in Chemnitz und Oxford zu kommen, behielt er für sich. Das Motiv für sein Tun sei zum Teil Frust über seine nicht abgeschlossenen Studien in den beiden Städten gewesen. Am Ende zeigte er sich selbst erschrocken über die Anzahl der sichergestellten Bücher, Notenbände und Tonträger. Sie zu Geld zu machen, daran habe er nie gedacht.
Das nächste Kapitel wird die Staatsanwaltschaft Chemnitz schreiben, indem sie über den Ausgang des Verfahrens zu entscheiden haben wird.

Quelle: PD Chemnitz






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