Verhüllung von Martin Luther und Barbara Uthmann am 2. Oktober in Annaberg-Buchholz: Reverenz an das Festjahr 2014 – 500 Jahre Barbara-Uthmann und 475. Geburtstag der sächsischen Landeskirche

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Verhüllung von Martin Luther und Barbara Uthmann am 2. Oktober in

Annaberg-Buchholz: Reverenz an das Festjahr 2014 – 500 Jahre Barbara-Uthmann und 475. Geburtstag der sächsischen Landeskirche

Am 2. Oktober 2013 erlebten die Annaberg-Buchholzer und ihre Gäste auf dem Annaberger Markt sowie an der berühmten Annenkirche ein außergewöhnliches künstlerisches Event. In Regie der Galerie Rasch (Kassel), verhüllte der von ihr vertretene südkoreanische Künstler Sung Hern Lee das Barbara-Uthmann-Denkmal sowie die Skulptur des deutschen Reformators Martin Luther. Anlass dafür ist ein Doppeljubiläum im Jahr 2014. Mit einem Festjahr begeht Annaberg-Buchholz den 500. Geburtstag der wohl bedeutendsten sächsischen Unternehmerin des 16. Jahrhunderts, Barbara Uthmann. Im Montanwesen, im Hüttenwesen, als Vorreiterin im Sozialwesen sowie als Verlegerin von Borten und Spitzen erwarb sie sich bleibende Verdienste.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsens begeht 2014 ihren 475.

Geburtstag. Den Anlass dafür gab am 4. Mai 1539 ein Treffen der wettinischen Fürsten mit dem Reformator Philipp Melanchton in Annaberg.

Dabei wurde vereinbart, dass nach dem ernestinischen auch das albertinische Sachsen den protestantischen Glauben annimmt. Zwei Wochen später, am Pfingstsamstag 1539 wurde dieser sächsische Religionswechsel in Leipzig offiziell besiegelt.

Mit der Verhüllung beider Denkmale wird an diese bedeutenden Ereignisse im 16. Jahrhundert, aber auch auf das kommende Jubiläumsjahr 2014 hingewiesen.

Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch merkt man die Vorfreude bereits jetzt

an: „Mit diesem öffentlichen Akt der Denkmalsverhüllung haben wir die Aufmerksamkeit auf zwei Personen gelenkt, die nicht nur Sachsen maßgeblich geprägt haben, Barbara Uthmann und Martin Luther. Ich denke, es lohnt sich, nicht nur im Festjahr 2014 diesen spannenden Blick in unsere eigene Geschichte zu richten. Engagiertes Unternehmertum und eine gute geistige Prägung haben Sachsen in den vergangenen Jahrhunderten zu dem gemacht, was es heute ist“. Die Idee zur Verhüllung hatten Christina Linke, Fachbereichsleiterin Bildung, Kultur, Tourismus und Sport der Stadt Annaberg-Buchholz sowie Martin Lange, Verwaltungsleiter der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz. Ziel war es, beide Persönlichkeiten neu ins Gespräch zu bringen. Das ist bereits jetzt gelungen. Die Verhüllung sorgte medial für bundesweite Aufmerksamkeit.

Aktuell generiert die Suchmaschine Google bei der gemeinsamen Eingabe der Namen Barbara Uthmann, Martin Luther 10.800 Einträge.

Verhüllung durch einen Südkoreaner als dreidimensionales Experiment

Realisiert wurde die Verhüllung zwar nicht vom Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude, dennoch ist der Südkoreaner Sung Hern Lee, der gegenwärtig in Kassel lebt, kaum weniger exotisch. Mit Rauminstallationen, die er als dreidimensionale Zeichnungen versteht, war er im Sommer 2013 erstmals zu Gast in Annaberg-Buchholz. Er selbst sagt von sich: „Ich experimentiere mit Arbeiten, die sich auf  die Dimension beziehen”. In vielen seiner Werke werden zwei Dimension in ein drei dimensionales Objekt umgesetzt. Er stellt z. B. Fragen wie: „Was ist das Bild, was ist das Zeichnen, was ist das Objekt” und lässt die Grenzen dazwischen verschwimmen. Transformation von Materie und der Form, gewohntes aus seinem Kontext herausheben und dem Betrachter etwas Ungewohntes präsentieren, das sind wesentliche Triebfedern seiner Arbeit.



In ähnlicher Weise gilt das auch für die Verhüllung der beiden Denkmale in Annaberg-Buchholz.  Lees Absicht ist nicht, die Skulpturen zu verstecken.

Vielmehr will er durch neue Sichtweisen auf Barbara Uthmann und Martin Luther, durch ungewohnte optische Eindrücke eine neue Diskussion über die beiden Persönlichkeiten entfachen.

Die Skulptur von Barbara Uthmann präsentiert der Künstler in einem hellen Violett. Violett ist in der abendländischen Kultur eine vieldeutige Farbe.

Einerseits kennzeichnet sie Machtinhaber und Würdenträger, andererseits ist sie ein Symbol für Verbotenes, Verspottetes und Ausgeschlossenes. Violett vereint Rot und Blau, Wärme und Kälte, Weiblichkeit und Männlichkeit. Die Farbe wird auch mit der Frauenbewegung in Verbindung gebracht. Barbara Uthmann war eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen musste.

Die linke Schulter von Barbara Uthmann ist ganz bewusst unverhüllt geblieben. Lee nimmt dabei Bezug auf das alte China. Menschen boten ihre Schulter dar, um eine gemeinsame Intention zu signalisieren. Bürger und Adlige nutzten dazu ihre linke, Menschen aus niedrigen Milieus und Sträflinge verwendeten ihre rechte Schulter. Die freigelassene linke Schulter von Barbara Uthmann signalisiert den beginnenden sozialen Aufstieg der Frau in der Renaissance.

Martin Luthers Denkmal zeigt sich einen Monat lang in roter Farbe. Rot ist die Farbe der Revolution und der Freiheit. Im 16. Jahrhundert löste Luther durch seine klare Haltung zum Missbrauch des Ablasses und durch seinen Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg eine „Revolution“ aus, die als Reformation in die Geschichte einging und bis heute nachwirkt. Luthers Augen und Ohren sind bei der Verhüllung ganz bewusst offen geblieben. Das soll ein Symbol und eine Anregung sein, auch in der Gegenwart nach Wahrheit und gesellschaftlichem Fortschritt zu suchen.

Bis zum 10. November 2013 werden die verhüllten Kunstobjekte die Annaberg-Buchholzer und ihre Gäste im Alltag begleiten und auf ihre ganz eigene Weise für Diskussionsstoff sorgen.

An Luthers Geburtstag, am 10. November 2013 werden nicht nur die Denkmäler enthüllt, sondern das Programm für das Reformationsjubiläum 2014 vorgestellt. Unter der Überschrift „Entdeckung – Enthüllung – TATWORT Annaberg“ beginnt um 9.00 Uhr ein Gottesdienst in der Annenkirche Annaberg-Buchholz. Ab 10.30 Uhr startet die Enthüllung des Luther-Denkmals auf dem Unteren Kirchplatz. Im Anschluss daran wird Barbara Uthmann auf dem Annaberger Markt von ihrer künstlerischen Hülle befreit.

Quelle: Stadt Annaberg

 

 

 






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