Massentötungen lösen das Streunerhunde-Problem nicht!

VIER PFOTEN_2012-05-21_002

Massentötungen lösen das Streunerhunde-Problem nicht!
VIER PFOTEN unterbreitet rumänischer Regierung alternative Lösungsstrategie

Bukarest/Hamburg, 9. September 2013. Heute morgen unterbreitete VIER PFOTEN der rumänischen Regierung ihre alternative Lösungsstrategie in der Streunerhundefrage. Die internationale Tierschutzorganisation, die sich gegen die Tötung von Hunden ausspricht, fordert seit Jahren einen nationalen Aktionsplan.

Nach dem tragischen Vorfall vergangene Woche, bei dem ein kleiner Junge von Streunerhunden tödlich verletzt wurde, forderte der rumänische Präsident Traian Basescu das Parlament auf, die Tötung zehntausender Streunerhunde umgehend zu legalisieren. Alsbald drängte auch Premierminister Victor Ponta darauf, die Straßen möglichst schnell von den Hunden zu befreien. Aufgrund des wachsenden Drucks wird das Parlament bereits nächste Woche eine Notfallverordnung diskutieren und das 2007 initiierte Streunerhunde-Gesetz finalisieren.

„Wir sind bestürzt über die populistischen und radikalen Aussagen von führenden politischen Entscheidungsträgern, die die rumänische Bevölkerung gegen die Streunerhunde aufhetzen und zu Gewalttaten anstacheln. Wir fordern einen konstruktiven Dialog und haben der Regierung heute unsere Lösung vorgelegt, in der Hoffnung, dass sie Gehör findet“, so Gabriel Paun, Kampagnendirektor bei VIER PFOTEN.

Massentötungen bekämpfen das eigentliche Problem nicht an der Wurzel: das rasante Wachstum der Streuner-Populationen. VIER PFOTEN arbeitet daher mit der so genannten „Capture-Neuter-Release“-Methode: Die Streuner werden eingefangen, kastriert, entwurmt und gegen Tollwut geimpft. Danach werden sie wieder dort hingebracht, wo sie eingefangen wurden. Das Töten von Streunertieren hat keinen nachhaltigen Effekt, da bereits nach einer Generation eine neue Population von Hunden und Katzen den Platz einnimmt. Die WHO, die OIE (World Organisation for Animal Health) sowie andere Organisation unterstützen daher die C-N-R-Methode als die einzige ethisch unbedenkliche Strategie, Streunerpopulation langfristig und nachhaltig in den Griff zu bekommen. Das rumänische Verfassungsgericht kam zudem im Januar 2012 zum Entschluss, dass Teile des Euthanasie-Gesetzes für Streuner verfassungswidrig sind.

Die von VIER PFOTEN propagierte Lösungsstrategie nimmt sowohl Ursache als auch die Auswirkungen in Angriff. Die Ursache der Problematik ist auf das Aussetzen von Hunden zurückzuführen, das Ergebnis ist, dass die Situation auf den Straßen nicht mehr kontrollierbar ist. Die von Behörden veranlassten Tötungen in der Vergangenheit sowie deren inkonsequente Sterilisationsprogramme haben erhebliche Kosten verursacht, jedoch nicht den nötigen Erfolg gebracht. Um das Problem nachhaltig zu lösen, müsste das Aussetzen der Tiere verhindert und die Kontrolle über die Straßen zurückgewonnen werden. Dies verlangt umfassende gesetzliche Maßnahmen, die den verantwortungsbewussten Umgang mit Hunden forcieren: die verpflichtende Kennzeichnung von Hunden mittels Mikrochip, die verpflichtende Kastration (ausgenommen Zuchthunde) und Strafanzeigen für das Aussetzen von Hunden. Um die Situation auf den Straßen in den Griff zu bekommen, müssten Kastrationsprojekte konsequenter, rascher und vor allem auf nationaler Ebene durchgeführt werden. Um die Hunde allmählich von den Straßen zu bekommen, können spezielle Zentren geschaffen werden, die sie auf die Adoption vorbereiten. Medien und Politiker sollten zumindest 10 Prozent ihrer Zeit aufwenden, die sie der Problematik in der letzten Woche widmeten, um Tierliebhaber zur Adoption eines Streuners zu bewegen.

„Unsere mobilen Streunerhilfe-Teams haben in den letzten Jahren alleine in Bukarest 10.600 Streuner eingefangen, kastriert und wieder freigelassen, in ganz Rumänien belaufen sich die Zahlen der von VIER PFOTEN behandelten Tiere auf rund 100.000. Unsere Bemühungen wurden jedoch nicht genügend von den Behörden unterstützt. Die ganze Situation lässt sich mit einem Wasserschaden vergleichen: Zuerst muss man den Wasserzufluss stoppen, dann die defekten Rohre reparieren, und zuletzt erst die Wohnung wieder auf Vordermann bringen“, so Paun.



Angesichts der Ereignisse befürchtet VIER PFOTEN nun, dass der Hass gegen Streunerhunde nun komplett außer Kontrolle gerät und immer mehr Tiere brutal umgebracht oder vergiftet werden. Zudem scheint die ansässige Polizei das barbarische Vorgehen gegen die Streuner, wie es teilweise bereits traurige Realität ist, zu ignorieren.

„Anscheinend wissen die Menschen nicht, dass die Tötung eines Tieres strafrechtliche Konsequenzen hat. Mittlerweile ist sogar ein Mann verstorben, der eine für einen Hund gedachte, vergiftete Wurst gegessen hat. Die Polizei muss umgehend reagieren – ansonsten werden wir Anzeige erstatten“, warnt Paun.

VIER PFOTEN fordert das rumänische Parlament zur Besonnenheit auf. Es gilt, Emotionen beiseite zu schieben und ein lösungsorientiertes Streunergesetz ohne Tötungen zu implementieren. Gleichzeitig muss die Polizei das illegale Töten von Streuerhunden sofort stoppen und Vergehen entsprechend ahnden.

Außerdem hat VIER PFOTEN einen Online-Protest gestartet, mit dem Regierung und Parlament aufgefordert werden können, die Massetötungen nicht zu legalisieren: http://www.four-paws.org/straykilling

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation setzt sich mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertisen, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde und -katzen, Labor-, Nutz-, Wild- und Haustiere sowie auf Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Niederlassungen in Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Österreich, Rumänien, Schweiz, Südafrika, Ungarn und den USA sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

Quelle: VIER PFOTEN

 






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